Misshandelte US-Reporterin "Ich dachte, ich muss sterben"

Hunderte Menschen umringten sie, sie wurde geschlagen und sexuell genötigt: 40 Minuten lang wurde US-Reporterin Lara Logan während der Proteste in Kairo von einem Mob bedrängt. Nun hat sie zum ersten Mal über den schockierenden Zwischenfall gesprochen.

Logan am 11. Februar auf dem Tahrir-Patz in Kairo: 40 Minuten in der Gewalt des Mobs
REUTERS/ CBS

Logan am 11. Februar auf dem Tahrir-Patz in Kairo: 40 Minuten in der Gewalt des Mobs


Hamburg - Es geschah auf dem Höhepunkt der Revolution in Ägypten, mitten auf dem Tahrir-Platz im Herzen Kairos: Eine Menge von etwa 200 Leuten trennt die US-Fernsehkorrespondentin Lara Logan von ihrer Crew, sie wird geschlagen und sexuell genötigt. Erst nach 40 Minuten wird sie von einer Gruppe Frauen und ägyptischen Soldaten befreit. Nun sprach Logan zum ersten Mal über den schockierenden Zwischenfall.

"Ich dachte, ich muss hier sterben. Und es wird ein qualvoller Tod sein", sagte sie ihrem Haussender CBS in einem Interview, das am Sonntag ausgestrahlt wird. In einem Gespräch mit der "New York Times" sagte sie, ihre Peiniger hätten sie missbraucht: "Meine Kleidung wurde in Stücke gerissen." Es habe sie wirklich getroffen, so Logan, wie gnadenlos die Männer waren. "Sie haben meinen Schmerz und mein Leid genossen. Das hat sie nur noch weiter angestachelt."

Die Batterie der Kamera sei ausgegangen, sie hätten eine Pause machen müssen, schildert Logan den Beginn des dramatischen Zwischenfalls. In diesem Moment habe Bahar, der ägyptische Kameraman, gesagt: "Wir müssen hier weg." Doch es war zu spät. Auch ein Bodyguard konnte sie nicht vor dem Mob schützen.

Logan ist eine erfahrene Kriegskorrespondentin, die zuvor bereits aus dem Afghanistan- und dem Irak-Krieg berichtet hat. Schon bei ihrer Arbeit in Afghanistan war sie dem Risiko ausgesetzt gewesen, vergewaltigt zu werden. Dieses Erlebnis, sagte Logan im SPIEGEL, sei "schon ein bisschen unheimlich und beunruhigend" gewesen. Aber man müsse, so erläuterte sie ihre Berufsauffassung, "ein kalkuliertes Risiko eingehen".

Trotz des brutalen Übergriffs auf dem Tahrir-Platz will die gebürtige Südafrikanerin weiter aus Krisengebieten berichten. Sie hoffe, dass ihre Geschichte anderen Opfern helfen kann, vor allem anderen Journalistinnen. Weitere Interviews zu dem Zwischenfall in Ägypten wolle sie jedoch nicht geben, so Logan. "Ich will nicht, dass diese Geschichte mich definiert."

hut



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