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Mission: Glück ist possible

Die Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange über Britney Spears und ihre zauberhaften Geständnisse
Von Alexa Hennig von Lange
aus DER SPIEGEL 45/2000

Hennig von Lange, 27, veröffentlichte die Romane »Relax« und »Ich bin's«. Sie lebt in Berlin. -------------------------------------------------------------------

Am liebsten mag ich an Britney, dass sie ganz ungeniert über ihre hässlichen Füße plaudert: »Sie sind so schrecklich groß, und ich habe auch hässliche Zehen. So verkrüppelt irgendwie!«

Danke, Britney, danke. Ich habe zwar keine hässlichen Füße, aber dafür andere Problemzonen, die mich unglücklich machen. Jetzt, wo ich das mit deinen Füßen weiß, geht es mir schon viel besser.

Das ist aber noch nicht alles. Britney kaut außerdem noch an den Fingernägeln, »obwohl meine Mutter ständig mit mir schimpft«. Und schon male ich mir aus, wie Britney zu Hause mit Hot Pants in der Küche steht, einen verknurzelten Fuß über den anderen gestellt, die Augen erschrocken aufgeklappt, und sich von ihrer Mama rügen lassen muss: »Du böses, böses Mädchen! Du warst wieder unartig!« Da bleibt der kleinen, beschämten Britney nichts anderes übrig, als lieb zu hauchen: »Oops! ... I Did It Again«.

Alle anderen denken bei dem Song-Titel an Sex. Autsch! Dabei ist Britney doch so unschuldig. Ich kann mir stundenlang im Fernsehen ihre Interviews ansehen, in denen sie scheinbar ohne Hintergedanken grinsend vor sich hinquasselt: »Wenn ich zu Hause bin und mein Dad auf Geschäftsreise ist, dann schlafe ich immer bei meiner Mum im Bett - wie früher, als ich klein war.«

Ich hänge an ihren Lippen und überlege, was in diesem gestylten Geschöpf vor sich geht. Ich meine, dieses Mädchen ist noch nicht einmal 20 und funktioniert wie ein prächtig programmierter Roboter. Sogar in mir weckt sie die Lust, ihre Mama von der Matratze zu treten, um mich an ihrer Stelle tröstend an Britney zu pressen.

Denn die Sache mit dem Berühmtsein scheint nicht immer lustig zu sein. In ihrem neuen Lied »Lucky« trällert sie von der Unbill des Starruhms: »She's so lucky, she's a star/ But she cry, cry, cries in her lonely heart.« Dicke Tränen kullern ihr dabei im Video über die Wangen. Mutterseelenallein liegt sie auf ihrer riesigen, mit Satinlaken dekorierten Spielwiese.

Vor lauter Dankbarkeit für so viel Vertrauen möchte ich flüstern: »Sexy, weine nicht. Auch wenn die Leute behaupten, dass dein Busen nicht echt ist. Der fühlt sich trotzdem toll an.« So ist das eben, wenn man eine Pop-Ikone ist. Da muss man Rede und Antwort stehen, was den eigenen Body angeht.

Es ist eindeutig: Britneys Mission ist es, alle glücklich zu machen. Jeden Abend klappt sie ihr Tagebuch auf und notiert »Gebete, Träume und Wünsche«. Autsch! »Ich kann mir ein Leben ohne Gott nicht vorstellen!« Autsch! »Gebete, Träume, Wünsche!« Alles ganz geheim. Eine Lolita, die Gott verfallen ist.

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