Mit 110 Jahren Letzter Veteran des Ersten Weltkriegs ist gestorben

Er schummelte bei seinem Alter, um in die Royal Navy einzutreten: Claude Stanley Choules, der letzte Veteran des Ersten Weltkriegs, ist tot. Der gebürtige Brite wurde 110 Jahre alt - und starb als Pazifist in einem Pflegeheim im australischen Perth.

REUTERS/ Australian Department of Defence

Sydney - Er wurde am 3. März 1901 geboren und galt als der letzte Überlebende der mehr als 70 Millionen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg im Einsatz waren: Claude Stanley Choules. Der Brite starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 110 Jahren in einem Pflegeheim in Perth, wie ein australischer Armeesprecher mitteilte.

Choules hatte seinerzeit bei seinem Alter gelogen, um 1916 bereits mit 14 Jahren in die Royal Navy eintreten zu können. 1926 wanderte er nach Australien aus und diente als Offizier in der australischen Marine, bevor er in der Fischerei arbeitete. Seinen Lebensabend verbrachte er in einem Altenheim in Perth. Das Geheimnis eines langen Lebens sei ganz unspektakulär, scherzte er einmal: "Einfach immer weiteratmen."

Choules sei wegen seines trockenen Humors und seiner bescheidenen Haltung von Familie und Freunden geschätzt worden, sagte seine 84-jährige Tochter Daphne Edinger. "Seine Familie war das Wichtigste in seinem Leben", sagte seine zweite Tochter Anne Pow. Seine eigene Mutter habe ihn verlassen, als er fünf Jahre alt war. Deshalb sei ihm eine glückliche Familie so wichtig gewesen. Bis zum Schluss habe er keine Medikamente gebraucht, so Pow. Allerdings sei er in den letzten Lebensjahren praktisch blind und taub gewesen.

"Der Letzte der Letzten"

Nach seiner Zeit bei er Marine wurde er zu einem überzeugten Pazifisten. Seinem Sohn Adrian zufolge hasste Choules den Krieg und boykottierte die alljährlichen Gedenkfeiern zum Weltkriegsende und andere Veteranentreffen. So lehnte er beispielsweise die Feier des Anzac-Days ab, eines hohen Gedenktages in Australien an den Krieg.

Choules war 76 Jahre lang mit Ethel Wildgoose verheiratet, die er 1926 auf der Überfahrt von England nach Australien kennengelernt hatte und mit der er drei Kinder bekam. Seine Frau starb 2003 im Alter von 98 Jahren. Auf Wunsch seiner Kinder nahm Choules in den achtziger Jahren an einem Kurs in kreativem Schreiben teil, um seine Kriegs- und Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Seine Autobiografie trägt den Titel "Der Letzte der Letzten".

Im Februar war der letzte US-Veteran Franck Buckles ebenfalls im Alter von 110 Jahren verstorben. Die letzte Veteranin des von 1914 bis 1918 andauernden Kriegs ist nach Choules' Tod die heute 110 Jahre alte Britin Florence Greene. Sie diente während des Ersten Weltkriegs als Bedienung bei der Royal Air Force, war aber nie in Kampfhandlungen verwickelt.

Der letzte deutsche Veteran des Ersten Weltkriegs, Erich Kästner, war im Januar 2008 im Alter von 107 Jahren gestorben. Der letzte französische Veteran starb im März 2008, der letzte Italiener im Oktober desselben Jahres.

wit/dapd/AFP



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