Listerien-Verdacht 160 Kilo Wurst von dänischem Hersteller in Deutschland verkauft

Ein Geschäft in Schleswig-Holstein hat 160 Kilo Wurst eines dänischen Herstellers verkauft - die Behörden raten vorsichtshalber vom Verzehr ab. Der Grund: Einige Produkte der Firma waren mit Listerien verseucht, zwölf Menschen starben.

Rullepølse: Fleischspezialität aus Dänemark
REUTERS/ Scanpix

Rullepølse: Fleischspezialität aus Dänemark


Kiel - Ein Geschäft an der Grenze zu Dänemark hat Wurst des Herstellers Jørn A. Rullepølser verkauft. Das hat das Landwirtschaftsministerium in Kiel mitgeteilt. Es sei aber nicht klar, ob die Produkte über die zulässigen Grenzwerte hinaus mit Listerien belastet waren, sagte eine Sprecherin. Es gebe bisher keinerlei Hinweise darauf.

Bei der Firma waren laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelmittelsicherheit in Lammfleischwurst Listerien oberhalb des Grenzwerts - maximal 100 Keime von Listeria monocytogenes pro Gramm - nachgewiesen worden. Diese Wurst ist nach bisherigem Kenntnisstand allerdings nicht nach Schleswig-Holstein gelangt.

Die Warnmeldung habe die Behörden in Deutschland am Mittwochabend über das europäische Schnellwarnsystem erreicht, teilte das Ministerium mit. Die Waren der dänischen Firma seien umgehend aus den Regalen des Geschäfts entfernt worden. Das Ministerium rief alle Kunden auf, eventuell noch vorhandene, dort gekaufte Wurst der betroffenen Firma auf keinen Fall zu essen.

Grenzshop in Harrislee betroffen

Bei dem betroffenen Geschäft handelt es sich um einen Grenzshop in Harrislee im Kreis Schleswig-Flensburg direkt an der deutsch-dänischen Grenze. Dort seien zwischen dem 24. Mai und 21. Juni 160 Kilo Wurst aus Dänemark verkauft worden: Gekochter Schinken in Scheiben, Kassler in Scheiben, Mettwurst in Scheiben und gekochte Rullepølse in Scheiben.

Der Laden hat sich auf Waren aus dem Nachbarland spezialisiert. Derartige Geschäfte sind vor allem bei Dänen beliebt, weil sie dort zu deutschen Konditionen einkaufen können - und damit in vielen Fällen billiger als in ihrem Land. Nach bisherigem Kenntnisstand sei kein anderes Geschäft beliefert worden, sagte die Ministeriumssprecherin.

Durch mit Listerien verseuchte Wurst des Unternehmens waren in den vergangenen Monaten in Dänemark zwölf Menschen gestorben, mindestens 20 hatten sich mit Bakterien angesteckt. Die dänischen Behörden hatten daraufhin diverse, möglicherweise betroffene Produkte der Firma vorsorglich aus dem Handel genommen.

Listerien-Bakterien können Infektionen auslösen, die anfangs einer Grippe ähneln. Gefährdet sind vor allem Schwangere, Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, etwa chronisch Schwerkranke. Bei Menschen mit intaktem Immunsystem kommt es durch Listerien nur selten zu einer Erkrankung. In Deutschland gibt es im Durchschnitt 300 bis 400 Fälle pro Jahr. Listeriose wird mit Antibiotika behandelt.

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ulz/dpa/AFP

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