Mit Mathe-Lehrer durchgebrannt Vermisste Schülerin in Bordeaux gefunden

Acht Tage lang waren sie verschwunden, nun sind ein britischer Mathe-Lehrer und seine 15 Jahre alte Schülerin in Frankreich von der Polizei gefasst worden. Die beiden sollen seit Monaten eine Beziehung haben, doch der 30-Jährige wurde wegen Kindesentführung festgenommen.

Jeremy Forrest und Megan Stammers: Die beiden wurden in Frankreich aufgegriffen
DPA/ Sussex Police

Jeremy Forrest und Megan Stammers: Die beiden wurden in Frankreich aufgegriffen


Bordeaux - Es war ein eindringlicher Appell, den Jim Forrest an seinen Sohn Jeremy richtete: "Hier zu Hause warten viele Leute verzweifelt darauf, von euch zu hören. Ich bitte nur, dass einer von euch anruft oder eine E-Mail schickt, damit wir wissen, dass es euch gut geht." Jeremy Forrest, 30, Mathe-Lehrer aus East Sussex, war seit Donnerstag vergangener Woche verschwunden - gemeinsam mit der 15 Jahre alten Megan Stammers, einer Schülerin. Nun wurden die beiden im südwestfranzösischen Bordeaux aufgegriffen.

Forrest wurde festgekommen, da die britische Polizei einen EU-weiten Haftbefehl wegen Kindesentführung erwirkt hatte. Stammers stehe unter Polizeischutz, teilte die Polizei mit. Beide seien bei voller Gesundheit. Sie seien im Stadtzentrum von Bordeaux von Passanten erkannt und dann von der Polizei aufgegriffen worden.

Zuletzt waren der Lehrer und die Schülerin, die in einem Ford Fiesta unterwegs waren, am 20. September gesehen worden. Eine Überwachungskamera zeichnete sie Arm in Arm auf der Fähre von Dover nach Calais auf. Seitdem fehlte von ihm jede Spur.

Forrest wurde seit mehreren Tagen mit einem europäischen Haftbefehl gesucht. Er habe Megan Stammers "ohne Einwilligung der Eltern fortgebracht", sagte der britische Chefermittler Jason Tingley.

Liebesbeziehung soll bekannt gewesen sein

Nach bisherigen Erkenntnissen scheint die 15-Jährige nicht gezwungen worden zu sein. Sie und Forrest sollen schon seit mehr als einem halben Jahr eine Liebesbeziehung haben. An der Bishop Bell Schule in Eastbourne sei es "ein offenes Geheimnis gewesen", sagte ein Bekannter des Mädchens dem "Daily Mirror". Bei einer Klassenreise nach Los Angeles Anfang des Jahres seien die Schülerin und der Lehrer Hand in Hand gesehen worden.

Auch in sozialen Netzwerken wurden Nachrichten - sowohl von Megan Stammers als auch von Jeremy Forrest - gefunden, die auf eine intime Beziehung hinweisen könnten. Über Twitter verkündete Stammers im Juni: "Ich will einfach nur weglaufen." "Du und ich. Lass uns gemeinsam weglaufen", soll Forrest als Antwort gesendet haben. Zudem schrieb der 30-Jährige: "Ich gebe meinen Verstand auf, um mit der zu sein, die ich liebe." Die Eltern von Megan sagten dem "Telegraph" zufolge, sie hätten von der möglichen Beziehung nichts gewusst.

Was Schulkameraden des Mädchens seit längerem bekannt gewesen sein soll, hatte vergangene Woche auch Ermittlungen bei Polizei und Schulbehörde ausgelöst. Die Schule habe die Angelegenheit nach den Vorgaben für einen solchen Fall untersucht, sagte Schulleiter Terry Boatwright laut "Daily Mail". Der verheiratete Lehrer soll wegen des Verhältnisses zu der Schülerin kurz vor dem Rauswurf gestanden haben, berichtete der "Telegraph".

Inzwischen wurde Kritik an der britischen Polizei laut: Der Haftbefehl, der erst fünf Tage nach dem Verschwinden erlassen worden war, sei zu spät gekommen. Die Polizei in Frankreich sei vorher nicht verpflichtet gewesen, aktiv nach den Flüchtigen zu suchen oder Forrest festzunehmen, da die Beziehung der beiden dort nicht strafbar wäre. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung beginnt in Frankreich im Alter von 15 Jahren, nicht erst mit 16 wie in Großbritannien.

Man habe gehofft, die beiden würden freiwillig zurückkehren, sagte Ermittler Tingley zu den Vorwürfen. Auch hätten am Tag nach dem Verschwinden, als Megan Stammers vermisst gemeldet wurde, nicht genug Beweise für einen Haftbefehl vorgelegen.

amp/AFP/dpa



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