Dachverband zu muslimischem Schützenkönig Titel ja, schießen nein

Die Kritik war massiv, nun scheint sich der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zu einem Zugeständnis durchgerungen zu haben: Mithat Gedik, muslimischer Schützenkönig, darf seinen Titel behalten - mit Einschränkungen.
Schützenkönig Mithat Gedik: Die Kette darf er behalten, schießen nicht

Schützenkönig Mithat Gedik: Die Kette darf er behalten, schießen nicht

Foto: Klaus Tomicek/ dpa

Hamburg/Werl - Es ist eine Geste, aber keine wirkliche Anerkennung: Der muslimische Schützenkönig Mithat Gedik im westfälischen Sönnern darf seinen Titel behalten. "Ausnahmsweise", heißt es dazu in einer Mitteilung des christlich geprägten Dachverbands, dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS). Das war es dann aber auch schon. "Die Ausübung eines Amtes ab Bezirksebene wird hingegen nicht möglich sein."

Mithat Gedik hatte Ende Juli in seiner Schützenbruderschaft Sönnern-Pröbsting den Vogel abgeschossen und war zum neuen Regenten in dem 900-Seelen-Dorf gekrönt worden. Der 33-Jährige gilt im Ort und mittlerweile in ganz Deutschland als Beispiel für Integration. Er wuchs in Werl auf, heiratete eine Katholikin, hat mit ihr vier katholisch getaufte Kinder, engagiert sich bei der freiwilligen Feuerwehr und eben auch im Schützenverein im Ort.

Doch Gediks Krönungsglück war nicht von langer Dauer. Weil er - anders als in der Satzung der Bruderschaft  gefordert - kein Christ ist, verlangte der BHDS seine Abdankung. Der Vorstoß war bundesweit auf scharfe Kritik gestoßen. Diverse Politiker äußerten sich, zuletzt schaltete sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein.

Der BHDS  sieht sich zu Unrecht in Bredouille. "Es scheint so, als wollten diese Stimmen Zwangsharmonisierung und geistige Gleichschaltung in Deutschland erzwingen", schreiben die Herren dazu in der Mitteilung. Und: "Die positive Religionsfreiheit darf aber nicht dazu führen, dass der Eindruck erweckt wird, katholische Schützenbruderschaften würden Mitgliedern anderer Religionen ohne Respekt begegnen." Aus Ausdruck von Respekt und Integration gegenüber Schützenbruder Mithat Gedik habe man daher diese Ausnahme beschlossen.

Gedik selbst sagte am Abend, er sei sehr froh, Schützenkönig bleiben zu können. "Ich hoffe aber auch, dass wir ungewollt ein Zeichen gesetzt haben und dass sich auch andere Vereine fragen, ob solche Satzungen noch zeitgemäß sind." Dass im 21. Jahrhundert noch solche Diskussionen geführt werden müssten, mache ihn traurig.

Der Chef von Gediks Schützenbruderschaft sagte, der Verein hätte notfalls in Kauf genommen, aus dem Dachverband geworfen zu werden. "Wir wollten einfach nur ein schönes Schützenfest feiern. Dass das so hochkocht bis in den Verband, haben wir nicht gewollt", erklärte Brudermeister Olaf Schmitz.

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) kritisierte die Entscheidung. "Die katholischen Schützenbruderschaften sollten in ihrer Satzung Werte verankern, nicht die Religionszugehörigkeit", sagte er dem Kölner "Express".

gam/dpa