Feuer auf Mittelmeerfähre Schiff brennt weiter – Suche nach Vermissten bislang erfolglos

Die Chancen schwinden, die Vermissten auf der brennenden Fähre in der Adria noch zu finden – trotz der Bemühungen der Rettungskräfte. Zudem muss das Schiff in Sicherheit gebracht werden, ehe das Wetter umschlägt.
Brennende Mittelmeerfähre: Schwierige Rettungsaktion

Brennende Mittelmeerfähre: Schwierige Rettungsaktion

Foto: GUGLIELMO MANGIAPANE / REUTERS

Die Suche nach Vermissten auf der seit Freitag brennenden italienischen Autofähre »Euroferry Olympia« in der südlichen Adria gestaltet sich äußerst kompliziert. »An den Außenseiten des Schiffs messen wir Temperaturen um die 600 Grad. So kann man nichts machen«, sagte der Chef des Spezialkommandos des griechischen Zivilschutzes Giorgos Mitsis im griechischen Fernsehen. Von den zwölf Menschen, die auf der offiziellen Liste der vermissten Passagiere sind, fehle jede Spur.

Am Samstagnachmittag waren erneut dicke Rauchschwaden kilometerweit zu sehen, wie griechische Medien berichteten. Die Staatsanwaltschaft der Insel Korfu leitete derweil eine erste Untersuchung ein. Der Kapitän und zwei Offiziere sollten zunächst aussagen. Festnahmen habe es bislang nicht gegeben, berichtete der staatliche Rundfunk weiter.

Nach Informationen aus Kreisen der Küstenwache in Piräus stammen sieben Vermisste aus Bulgarien, drei aus Griechenland und jeweils eine Person aus der Türkei und aus Litauen. Es seien alles Lkw-Fahrer, die die Nacht zum Freitag, als der Brand ausbrach, in ihren Fahrzeugen auf den Garagendecks verbracht hatten – obwohl dies nicht erlaubt sei, hieß es.

DER SPIEGEL

Das Schiff trieb am Samstagnachmittag nördlich der griechischen Insel Korfu und wenige Seemeilen vor der albanischen Küste dahin. Schlepper können jedoch die Bewegungen der Fähre kontrollieren. Das Schiff muss bald in einen sicheren Hafen oder eine Bucht gebracht werden. Zurzeit herrscht zwar gutes Wetter in der Region des Unglücks. Von Dienstag an aber sollen Meteorologen zufolge Winde der Stärke sieben in der südlichen Adria wehen.

Auch die Nacht hindurch hatten Patrouillenschiffe die Gewässer rund um die Ferieninsel Korfu nach möglichen Überlebenden abgesucht, wie die griechische Küstenwache mitteilte. Insgesamt sind bislang 280 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Neun Menschen wurden leicht verletzt, einer liege wegen einer schweren Rauchvergiftung auf der Intensivstation im Krankenhaus von Korfu, berichtete der staatliche Rundfunk.

Das Feuer auf der Fähre auf dem Weg vom nordwestgriechischen Igoumenitsa in die süditalienische Hafenstadt Brindisi war am Freitag gegen 4.30 Uhr (Ortszeit) ausgebrochen. Alle Menschen an Bord wurden aufgerufen, das Schiff sofort zu verlassen. Binnen kurzer Zeit stand die Fähre komplett in Flammen.

Nach Angaben der italienischen Reederei Grimaldi, der die Fähre gehört, waren 290 Menschen an Bord registriert: 239 Passagiere und 51 Besatzungsmitglieder. Dass unter den Geretteten nach Angaben der Küstenwache auch zwei Migranten aus Afghanistan waren, die nicht offiziell auf der Fähre eingecheckt hatten, nährte die Sorge, dass in Wirklichkeit weitere Menschen noch nicht gerettet sein könnten.

Die meisten Menschen, die gerettet wurden, sagten Reportern vor Ort, die Besatzung der Fähre habe »koordiniert und professionell« gehandelt und die Menschen zunächst auf die Rettungsboote gebracht. Danach wurden sie von der griechischen Küstenwache und einem italienischen Schiff der Finanzwacht (Guardia di Finanza) aufgenommen, das sich am Freitag zufällig in der Region des Unglücks befand, und nach Korfu gebracht.

Protestbrief griechischer Lkw-Fahrer

Es gibt aber auch einige Informationen, wonach die Zustände an Bord der Fähre schlecht waren. Der Verband der griechischen Lkw-Fahrer hatte bereits schriftlich dagegen protestiert. Unter anderem sollen die Lastwagen auf den Autodecks bei früheren Reisen zu eng aneinander geparkt gewesen sein, hieß es im Protestbrief, der in der griechischen Presse veröffentlicht wurde. Zudem klagte die Gewerkschaft demnach, dass die Belüftungsanlage in den Parkdecks nicht funktioniere und es nicht genügend Kabinen für die Zahl der Passagiere gebe.

Über die Ursachen des Unglücks liegen bislang keine Angaben vor. Das werde man erst dann feststellen können, wenn das Schiff in Sicherheit gebracht ist, sagte der griechische Minister für Handelsschifffahrt, Giannis Plakiotakis, dem Nachrichtensender Skai. Sei das Schiff gesichert, würden Experten als Erstes versuchen, den Treibstoff aus dem Wrack der Fähre zu pumpen, um eine Ölkatastrophe zu verhindern, sagte der Minister.

wit/dpa/AFP
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