Mittelmeer Vermeintliche Meuterei war Missverständnis

Aufatmen in Griechenland: Die befürchtete Meuterei auf einem norwegischen Frachter hat sich als ein Fehlalarm entpuppt. Nach dem der Kapitän ein falsches Funksignal gesendet hatte, hatten Spezialeinheiten der griechischen Küstenwache und der Kriegsmarine das Schiff gestoppt.


Athen - Ein Sonderkommando habe die norwegische "KCL Banner" durchsucht, die Besatzung befragt und Personalien überprüft, ohne dabei etwas Verdächtiges zu finden, teilte die griechische Küstenwache mit.

Die Vermutung der norwegischen Reederei, auf der "KCL Banner" sei eine Meuterei ausgebrochen oder sogar Piraten an Bord, hatte gestern Abend Alarm in Westgriechenland ausgelöst. "Der Kapitän hatte ein falsches Signal an seine Reederei gefunkt", hieß es in der Erklärung der Küstenwache. Das Schiff werde nun weiterfahren.

Nach dem Signal des Kapitäns hatten Küstenwache und Kriegsmarine eine umfangreiche Aktion mit zwei Hubschraubern, einem Aufklärungsflugzeug, einer Fregatte und drei Patrouillenbooten gestartet. Froschmänner und Kommandos hatten sich mit Maschinenpistolen an Bord der Fregatte begeben, um im Ernstfall einzugreifen.

Angehörige der Küstenwache und der Sondereinheit kritisierten die Besatzung des Schiffes, die von den Philippinen, aus Polen und Rumänien stammt. "Es gibt eben in unserer hochmodernen Zeit einige Menschen, die nicht in der Lage sind, einfache Informationen auszutauschen" sagte ein wütender Offizier. Der besondere Ärger der griechischen Sicherheitskräfte erklärt sich auch daher, dass in ihrem Land am vergangenen Wochenende orthodoxe Ostern gefeiert wurden: "Die haben uns den zweiten Osterfeiertag versaut", zürnte der Offizier.

Ein Augenzeuge berichtete unterdessen im Fernsehen, dass sich nach dem Einlaufen des Frachters in der Bucht von Pylos "Kriegsfilmszenen" abgespielt hätten, die am Ende "lächerliche Dimensionen annahmen".

"Wir mussten eben auf Nummer sicher gehen", meinte ein Angehöriger der Küstenwache aus Pylos. Die norwegische Botschaft in Athen, die am Montag von der Reederei benachrichtigt worden war, hatte auf den umfangreichen Maßnahmen zum Schutz des Schiffes bestanden, obwohl der Kapitän der "KCL Banner" später wiederholt über Funk erklärte, er habe eine falsche Nachricht an die Reederei übermittelt.



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