Mode in Rom und Paris Kuhglocken und Kamikaze-Barbie

Der Kleiderschrank wird androgyn: Die Zeiten, in denen nur Männer Hosen tragen durften, sind längst vorbei. Stardesigner Jean-Paul Gaultier verordnet dem starken Geschlecht gar den Rock als Zwangsgarderobe. Den Frauen bleibt da nur noch der Griff zum Anzug oder Kamikaze-Barbie.


Paris/Rom - Bei den Männerkollektionen in Paris schickte der französische Modemacher männliche und weibliche Models auf den Laufsteg: Gaultier² heißt das neue Konzept, das Frauen in Nadelstreifenanzüge, blaue Samtjacken und glänzende Regenmäntel steckt. Mit affektiert gehaltener Zigarettenspitze defilierten Männer und Frauen in Anzügen, wollenen Matrosenjacken und Umhängen über den Laufsteg. Röcke blieben diesmal vorrangig den Herren vorbehalten: Ob schottischer Kilt oder grauer Faltenrock, Mann hat im kommenden Winter die Wahl.



Die Männermodenschauen in der französischen Hauptstadt gehen heute mit den Shows von Givenchy und Dior zu Ende. Der internationale Modezirkus wird am 26. Februar wieder seine Zelte an der Seine aufschlagen, wenn neun Tage Prêt-à-porter für Damen auf dem Programm stehen.

Die Alta-Moda-Tage in Rom pendelten zwischen Retro-Look und Provokation. Ärger gab es um die Schau von Altmeister Fausto Sarli. Der Modemacher war in Rage geraten, weil sich weit mehr Gäste zu seinem Defilée versammelt hatten, als in den Saal passten - eine Organisationspanne der Veranstalter, polterte Sarli. Es kam zu Schubsereien und Gedränge, viele Stammgäste des Couturiers schafften es nicht einmal, in die Nähe des Laufstegs zu kommen. Sarli drohte daraufhin, nie wieder an den römischen Modetagen teilzunehmen. Jetzt kündigte er an, im Sommer eine eigene, von den Organisatoren unabhängige Modenschau organisieren zu wollen.

Wie immer gab es auch Provokationen in der Ewigen Stadt, so zuletzt die Kreationen von Patrizia Pieroni, die eine "Barbie-Kamikaze" mit imitiertem Sprengstoff-Gürtel über den Laufsteg schickte. Das Model trug auf dem Kopf einen Heiligenkranz - "Zeichen für das kämpferische und engelhafte Wesen einer Frau", erklärte Pieroni. Eleganz der fünfziger Jahre zeigte Camillo Bona, der seine Kollektion an Stil-Ikonen wie Audrey Hepburn, Ava Gardner und Jaqueline Kennedy orientiert hatte. Seine Models zeigten Kreationen in Weiß-Beige, Rot und Gelb.



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