Mode-Streit in Australien Models zu dünn, Röcke zu kurz

Eigentlich hatten die Veranstalter der "Australian Fashion Week" versprochen, dass keine Magermodels auf den Laufsteg kommen. Doch Beobachter fanden die Frauen zu dünn, um gesund auszusehen. Nicht nur die Models stießen auf Kritik, auch ihre Kleidung fand wenig Gnade.


Hamburg - Die australische Modejournalistin Edwina McCann konnte das Ende der Modewoche kaum erwarten: "Die meisten Aussteller wären gut beraten, wenn sie ihr Können und ihre Kollektionen verfeinern würden, bevor sie es noch einmal versuchen", schreibt sie, "in Sachen Inspiration war dies eine Woche der Enttäuschungen." Sie und andere Kritiker stört, dass viele Designer auf kurze Babydoll-Kleider setzen, die "Frauen besser ignorieren sollten, wenn sie über 20 und kein trendy Filmsternchen mit sehr dünnen braunen Beinen sind".

Die dünnen Beine der Models sorgten auch für die größte Aufregung: Die Veranstalter hatten vorher zugesichert, dass keine Models engagiert werden, die "unnatürlich oder außerordentlich dünn sind oder im Verdacht stehen, eine Ess-Störung zu haben". Doch die Bilder, die dann in australischen Zeitungen erschienen, ließen starke Zweifel daran aufkommen, dass die Modelabels sich daran gehalten haben. Fashionweek-Veranstalter Simon Lock kündigte an, künftig Firmen auszuschließen, die gegen die Selbstverpflichtung verstoßen haben.

Mehrere Models setzten sich gegen die Kritik zur Wehr. "Die Leute müssen begreifen, dass es an den Genen liegt", sagte das texanische Model Erin Wasson. Die meisten Model seien aus Veranlagung so dünn und nicht, weil sie hungerten.

Viele australische Aussteller waren der Modemesse, die sich in diesem Jahr verstärkt an Handelskunden aus Asien wandte, fern geblieben. Der Modeunternehmer Danny Avidan, dessen Marken "Charlie Brown" und "Lili" auch nicht dabei waren, fand drastische Worte zur Bedeutung der Messe: "An der Modewoche teilzunehmen ist für eine etablierte Marke etwa so, als wenn Madonna zu American Idol (der US-Ausgabe von Deutschland sucht den Superstar) ginge." Veranstalter Lock zeigte sich von der australischen Kritik wenig beeindruckt. Die Einkäufer aus Asien hätten die Mode-Show zu einem Erfolg werden lassen.

sac/Reuters



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