Modern Talking Nino de Angelo will der wahre Thomas Anders sein

Es ist eine zweifelhafte Ehre, aber der Schlagersänger Nino de Angelo besteht darauf: Er will "die wahre Stimme" der Band Modern Talking gewesen sein. Er habe die dünne Stimme von Thomas Anders im Studio veredelt, weil der gar nicht singen könne. Genauso wenig wie Dieter Bohlen.

Hamburg - "Ohne mich hätte es die letzten drei Alben gar nicht gegeben", behauptet der Schlagersänger Nino de Angelo heute in der "Bild am Sonntag". Thomas Anders dagegen, offiziell die Hauptstimme der mit Hits wie "Brother Louis" und "Chery Chery Lady" in den achtziger Jahren erfolgreichen Band, "kam meistens nur für einen Tag ins Studio, sang ein bisschen und verschwand wieder", so der 40-jährige de Angelo. "Den Rest der Arbeit erledigten ich und die Toningenieure."

Eine Reaktion von Thomas Anders oder Dieter Bohlen, dem geistigen Vater von Modern Talking, steht bislang noch aus. Angesichts der Äußerungen de Angelos dürfte die aber wohl nicht lange auf sich warten lassen: "Dass Dieter nicht singen kann, weiß das ganze Land. Dass ich aber auch die Stimme von Thomas Anders nachbessern musste, hätte mächtig an seinem Image gekratzt", ätzt de Angelo in der "Bild am Sonntag".

Anlass der Offenbarung ist dem Bericht zufolge ein Prüfverfahren der Musikergesellschaft GVL, die für die Künstler Gelder verwaltet, die gezahlt werden müssen, wenn Lieder im Radio oder Fernsehen gespielt werden. GVL-Geschäftsführer Thilo Gerlach sagte der "Bild am Sonntag": "Wir recherchieren, wer tatsächlich gesungen hat und ob unrechtmäßig Honorare kassiert wurden. Dafür befragen wir alle Modern-Talking-Beteiligten." Darunter ist auch Nino de Angelo.

Nino de Angelo sang nach eigenen Angaben zusammen mit zwei Kollegen alle Chöre für die Aufnahmen. "Thomas Anders ist ein netter Sänger, aber seine stimmlichen Möglichkeiten sind begrenzt", sagte der 40-Jährige, dessen größter Hit "Jenseits von Eden" mehr als 20 Jahre zurückliegt. Für ein Album habe er zwei Tage im Studio gearbeitet und dafür 10.000 Euro bekommen.

"Mein Pech war, dass ich nie offizieller Teil der Band war", bedauert de Angelo. Er sei absichtlich nicht auf den CDs genannt worden.

Mit seiner Offenbarung erweitert de Angelo den Kreis der mutmaßlichen "wahren" Sänger des Projekts Modern Talking um einen weiteren Namen. Der Musiker Frank Farian behauptet so etwa in seinem jüngst erschienen Buch "Stupid Dieser Bohlen", die wirklichen Sänger von Modern Talking seien Thomas Anders und die Studiomusiker Rolf Köhler, Birger Corleis, Detlef Wiedecke und Michael Scholz. Von Nino de Angelos Mitwirkung war Farian dagegen anscheinend nichts bekannt.

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