Mohrs Herzschlag Kampf den Fieslingen

Es gibt unzählige eklige Erreger, die uns das Leben mitunter schwermachen. Der herzkranke SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Joachim Mohr hasst diese Viren, Würmer und Bakterien. Er bekämpft sie hart - mit einem einfachen Mittel.

Vorsichtsmaßnahme Händewaschen: Kampf den Fieslingen
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Vorsichtsmaßnahme Händewaschen: Kampf den Fieslingen


Sie sind viele und sie sind brutal. Sie kennen nur ein Ziel: Sie wollen auf unsere Kosten leben, sie wollen uns schaden, sie wollen uns töten. Sie sind unsere größten Feinde - Krankheitserreger aller Art.

Es gibt Abertausende eklige Erreger, die jeden Tag uns Menschen attackieren. Aus der Sicht dieser kleinen Monster ist jeder einzelne von uns wunderbares Neuland, das es zielstrebig zu erobern gilt. Ist der Gastgeber ausgebeutet, ruiniert oder gar gänzlich zerstört, ziehen die kleinen Fieslinge einfach weiter.

Die menschenverachtende Brut zählt vor allem vier Gruppen: Bakterien, Viren, Protozoen, das sind gemeine Einzeller, und Parasiten, also Insekten und Würmer. Da man seine Widersacher kennen muss, um sich gegen sie zu wehren, hier ein kleiner exquisiter Überblick:

Unter den Bakterien gibt es regelrechte Stars, die es sogar in der menschlichen Öffentlichkeit zu zweifelhafter Berühmtheit gebracht haben, etwa die Streptokokken. Sie sind zuständig für Angina, Scharlach oder andere rotleuchtende Infektionen im gesamten Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Die Staphylokokken wiederum verursachen gern Abszesse, Durchfall oder auch mal eine Blutvergiftung. Pneumokokken dagegen haben sich auf Lungen-, Mittelohr- und Hirnhautentzündung spezialisiert. Die Salmonellen wiederum rechnen Typhus und Ruhr zu ihren ureigenen Aufgaben.

Augen zu und durch?

Daneben lauern unsere Freunde, die Viren, auf uns. Die haben besonders effiziente Sondereinheiten für Grippe, Gelbsucht, Masern, Pocken, Röteln oder Aids gebildet.

Die feinen Protozoen hingegen sind häufig Auslöser allerlei Tropenkrankheiten, etwa der Plage der Malaria. Unter den Parasiten gibt es verschiedene Kämpfer. Die Kratzmilbe und die Kopfläuse zählen noch zu den lustigeren Spezies. Menschen können jedoch auch von ihren Verwandten, etwa dem Rinder- oder Schweinebandwurm, befallen werden. Der Rinderbandwurm kann übrigens bis zu zehn Meter lang werden. Aber lassen wir das.

Aus Sicht all dieser Krankheitserreger ist die menschliche Gesundheit eine völlig zu vernachlässigende Größe. Gerade für mich als schwer Herzkranken sind viele von ihnen besonders gefährlich, weil die Krankheiten, die sie verursachen, oft auch mein Herz angreifen. So haben grippale Infekte immer wieder massive Herzrhythmusstörungen an meinem operierten Herzen hervorgerufen.

Als Gesunder werden Sie nun vielleicht fragen: Muss ich mich mit diesem lichtscheuen Gesindel überhaupt befassen? Hilft nicht am besten Augen zu und durch? Leider nein, denn jedes Jahr sterben auch in Deutschland Abertausende Menschen an diesen Erregern.

Pflegen Sie Ihr Immunsystem!

Die meisten Angriffe pariert unser Körper mit seinem Immunsystem, Abwehrzellen spüren die Erreger auf und vernichten sie. Von dieser ununterbrochen laufenden Abwehrschlacht spüren wir meist nichts, an einzelnen Tagen fühlen wir uns vielleicht ein wenig schlapp.

Deshalb: Pflegen Sie Ihr Immunsystem! Naturjoghurt, das hilft der Darmflora, Bewegung an der frischen Luft, ausreichend. Ob Sie es glauben oder nicht, über solch banale Sachen freut sich das Immunsystem riesig.

Charmanterweise gibt es zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch eine Medizin, die in vielen Fällen helfen kann. In den vergangenen 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte war das ja nicht so. Heute stehen uns Wirkstoffe zur Verfügung wie das Antibiotikum Penicillin oder die Acetylsalicylsäure (bekanntester Produktname Aspirin), die beide auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen.

Ärzte können fast jedes Körperteil aufschneiden und etwas herausoperieren. Zumindest wenn die Umstände günstig sind. Besonders angenehm ist, dass die Damen und Herren Mediziner über Schmerz- und Narkosemittel verfügen - welche Gnade! Früher haben Sie ein Stück Holz zwischen die Zähne bekommen, und wenn Sie zusätzlich Glück hatten, wurde Ihnen noch eine halbe Flasche schlechter Fusel eingeflößt.

Machtlos gegen Schnupfen

Doch die Hightech-Medizin hat ihre wundersamen Grenzen: Wir können Herz und Lunge in einer Operation verpflanzen, aber gegen einen ordentlichen Schnupfen sind wir machtlos. Nach wie vor gilt: Eine Erkältung dauert ohne Medikamente sieben Tage, mit Tabletten und Nasenspray eine Woche. Wahlweise auch fünf oder zehn Tage.

Noch immer ist Hygiene die wichtigste Präventivmaßnahme gegen die Masse der Krankheitserreger. Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig mit Seife, dann tragen sie keine Biotope für Bakterien und Viren mit sich herum. Ich desinfizierte meine Hände auch gern mit einer antibakteriellen und antiviralen Lösung, das kann gerade in Zeiten von Grippe- oder Magen-Darm-Erkrankungen hilfreich sein.

Im Mittelalter lauerte übrigens eine der häufigsten Todesursachen im Mund: faule Zähne. Die führten oft zu Herzmuskelentzündungen, Blutvergiftungen und dann direkt ins Grab. Zahnbürste und Zahncreme sind doch tolle Erfindungen.

Schlussendlich ist es natürlich auch Glückssache, von Krankheiten verschont zu bleiben. Aber Sie wissen ja, das Glück und der Tüchtige, die hängen meist irgendwie zusammen. Ich gehe jetzt erst einmal Hände waschen.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
kaksonen 08.04.2011
1. Desinfizieren
---Zitat--- "Ich desinfizierte meine Hände auch gern mit einer antibakteriellen und antiviralen Lösung, das kann gerade in Zeiten von Grippe- oder Magen-Darm-Erkrankungen hilfreich sein." ---Zitatende--- Und bei jeder Desinfektion der Hände wurden die Bakterien darauf fast zu hundert Prozent abgetötet. Übrig bleiben nur ganz wenige, besonders hartnäckige, widerstandsfähige. Und nach der Tausendsten Handdesinfektion waren meine Hände mit diesen widerstandsfähigen Stämmen übersät! So züchtet man resistente Bakterienstämme!
onkel hape 08.04.2011
2. Guter Artikel.
Herr Mohr hat mein Mitgefühl. Offensichtlich hat der liebe, gute, allmächtige Schöpfer(?) einen gewissen Hang zum Masochismus, warum hätte er sonst diese verdammten Fieslinge auf seine Ebenbilder(?) losgelassen. Also hat der alte Darwin mit seiner Evolutionstheorie wohl doch Recht, weil sich diese Horror-Krankheitserreger ziemlich sicher ohne himmlische Mitwirkung über die Jahr-Millionen zu unserem Schaden einfach so entwickelt haben.
Snoozel 08.04.2011
3. ack
Dieser ganze Hygiene-Wahn erzeugt nur genau das Gegenteil, Resistente Bakterien/Viren die nicht mehr mal eben so bekämpft werden können. Wenn ich mal wieder eine Sagrotan-Werbung sehr wird mir immer schlecht, diese erlogenen Gefahrensituationen die dort gezeigt werden - und Mutti glaubt es, ihrem Kind zu liebe - und was wird später draus? Ein sogenanntes Sagrotan-Kind, ständig Krank, Allergisch gegen alles mögliche.
ReneMeinhardt, 08.04.2011
4. Desinfektion
ich desinfiziere meine hände nie und ich habe auch noch nie ne richtige grippe gehabt. wenn man aber von phobien getrieben wird, sieht das natürlich anders aus.
Shimodax, 08.04.2011
5. Immunsystem
Zitat von sysopEs gibt unzählige eklige Erreger, die uns das Leben mitunter schwer machen. Der herzkranke SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Joachim Mohr hasst diese Viren, Würmer und Bakterien. Er bekämpft sie hart -*mit einem einfachen Mittel. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,755132,00.html
Ob Sie's interessiert oder nicht, nein ich glaub kein Wort. Mohr mag ja ne labile Gesundheit haben, aber deshalb muß ich mir noch lange nicht solch undifferenziertes Geschwafel anhören. Überhöhte Sauberkeit steht im Verdacht Allergien hervorzurufen, im Joghurt sind selbstverständlich auch Keime und für jemand ohne Loch im Herz ist ne Grippe kein Beinbruch. Ist nur wahrscheinlich alles ein bißchen komplizierter, als der Autor es gern hätte.
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