Mojave-Wüste Rakete explodiert auf Weltraumbahnhof - drei Tote

Die Explosion einer Rakete auf einem Flugplatz in Kalifornien hat drei Arbeiter in den Tod gerissen. Auf dem Gelände werden die Raumfähren des Milliardärs Richard Branson gebaut, die Touristen ins All befördern sollen.


Los Angeles - Auf dem rund 130 Kilometer nördlich von Los Angeles gelegenen Flugplatz haben mehrere private Raumfahrtgesellschaften ihren Sitz. Der örtliche Sender CBS2 zeigte Luft-Aufnahmen, auf denen Trümmer zu sehen waren, die über Dutzende Meter verteilt lagen. Zwei Menschen kamen bei der Explosion unmittelbar ums Leben, ein dritter erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen, wie die Klinik inzwischen mitteilte. Der Zustand von zwei Verletzten wurde als kritisch beschrieben, der des dritten als ernst.

Das Unglück hätte sich während eines Tests von Bauteilen für einen neuen Raketenmotor ereignet, sagte Firmenchef Burt Rutan. Zu der Explosion kam es, als Stickoxid durch eine Düse gespritzt wurde, wie Rutan erläuterte. Es handele sich um einen Versuch für den Motor für das neue Raumschiff. Bei der Detonation wurde den Angaben zufolge Lachgas freigesetzt.

Rutan hatte 2004 einen mit zehn Millionen Dollar dotierten Preis gewonnen, nachdem es ihm zweimal gelungen war, sein "Space Ship One" in den Weltraum zu schießen. Die beiden Piloten erreichten dabei eine Höhe von rund 112 Kilometern und befanden sich mehrere Minuten in der Schwerelosigkeit. Insgesamt hatten 26 Teams aus sieben Ländern um den Preis gekämpft.

Zurzeit arbeitet das Unternehmen Rutans mit der Firma Virgin Galactic des Milliardärs Richard Branson an dem Plan, bis zum Jahr 2010 Privatleuten kurze Ausflüge ins All zu ermöglichen. Insgesamt 100 Millionen Dollar sollen bereitstehen, um fünf Weltraumflieger zu bauen. Jeder Raumgleiter soll sechs oder sieben Passagiere befördern können. Damit sich das Geschäft rechnet, müssen im ersten Jahr bereits 460 Weltraumbegeisterte eine Passage buchen. Kostenpunkt: voraussichtlich 200.000 Dollar.

Dafür bekommt der Fluggast wenige Minuten Schwerelosigkeit an der Grenze zum Weltraum geboten. Vor dort aus kann man ungehindert in die Tiefe des Alls blicken und die Erdkrümmung bewundern.

Der britische Multiunternehmer Branson ist berühmt für seine Extravaganzen. Branson, der auch im Mobilfunkgeschäft mitmischt und Comics verlegt, fiel schon in der Vergangenheit durch seltsame Aktionen auf. So feierte er sich in der TV-Show "The Rebel Billionaire", als er unter anderem eine Teeparty auf der Kuppel eines Heißluftballons veranstaltete. Unvergessen auch der Erstflug einer Virgin-Maschine nach Sydney, als Branson nach der Landung mit einem Surfbrett, umringt von Bikini-Schönheiten auf der Tragfläche des Flugzeugs herumtanzte. Ähnliches wiederholte sich in Kuba und Indien.

Der Virgin-Chef war bislang davon ausgegangen, dass Virgin Galactic binnen der ersten zehn Jahre 50.000 Passagiere in die Erdumlaufbahn schickt. Dann werde der Flug auch erschwinglicher. "Ich glaube an den kommerziellen Erfolg", beteuerte Branson stets. Ob er nun umdenken muss?

jdl/AFP/AP/Reuters/dpa



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