Monarchie in Gefahr Königliche Raben werden eingebuchtet

Alarm im Tower von London: Die Vogelgrippe bedroht nicht nur die europäischen Geflügelbestände, sondern auch die britischen Royals. Wenn die Raben im Tower sterben, so eine Legende, wird das Königreich untergehen. Jetzt werden die berühmten Vögel eingesperrt.


London - Der Sage nach werde der Tower von London einstürzen und die Monarchie enden, sobald alle Raben die alte Festung an der Themse verlassen, berichtet der britische Sender BBC. Daher hatte im 17. Jahrhundert König Charles II. die Vögel durch einen besonderen Erlass unter Schutz gestellt. Seitdem werden sie in der ehemaligen Festung von sogenannten Rabenmeistern gepflegt. Bislang wurden sie jeden Morgen gegen fünf Uhr nach draußen gelassen. Fliehen können sie allerdings nicht: Ihre Flügel sind gestutzt.

Einer der Tower-Raben und sein Meister: Garant für den Bestand des Königreiches
DPA

Einer der Tower-Raben und sein Meister: Garant für den Bestand des Königreiches

Die Tower-Verwaltung hat mittlerweile auf den Ausbruch der Vogelgrippe in Europa reagiert: Die schwarzen Vögel mit den Namen Branwen, Hugine, Munin, Gwyllum, Thor und Baldrick dürfen künftig nicht mehr ins Freie. Stattdessen wurde den symbolträchtigen Tieren Käfighaltung verordnet. Sie müssen für die nächste Zeit in eigens angefertigten Volieren im Inneren der Festung bleiben. Die Käfige sind angeblich so konstruiert, dass nicht einmal ein Kolibri zu den Raben durchdringen könnte.

Die Gefahr einer Ansteckung durch Zugvögel aus Ländern, in denen die Vogelgrippe umgehe, sei einfach zu groß, sagte Derrick Coyle, der oberste Rabenmeister des Towers. "Obwohl wir die Vögel nicht gerne einsperren, glauben wir doch, dass es das Beste für ihren Schutz ist." Während man sich den Einsatz von Impfstoff gegen die Geflügelgrippe überlege, "werden wir unseren sechs Raben weiterhin so viel Pflege und Aufmerksamkeit angedeihen lassen, wie sie benötigen".

Damit sind die Traditionswächter vorsichtiger als die meisten Geflügelzüchter im Land. Denn obwohl britische Experten bereits auf die Risiken der drohenden Tierepidemie hingewiesen haben, ist es nach Aussagen einiger britischer Minister bislang nicht nötig, die Stallpflicht einzuführen. Bislang war die Seuche in Großbritannien nur bei importierten Vögeln entdeckt worden, die sich in einer Quarantänestation des Zolls befanden.

Dennoch leiden auch andere Traditionen unter den allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen, die die Seuche eindämmen sollen. So müssen französische Rugby-Fans bei dem Auswärtsspiel ihrer Mannschaft Mitte März auf ihr National-Maskottchen, den Hahn, verzichten. Wegen der Vogelgrippe könne den Sportfreunden die Mitnahme der Tiere nicht gestattet werden, sagte die Vorsitzende der britischen Veterinäre, Freda Scott-Park, gestern in London. "Jedes heimlich eingeführte Tier ist ein Risiko", sagte sie. Die Stadiongesellschaft hat bereits besonders scharfe Kontrollen der Fans angekündigt.

rom/AFP/dpa/reuters



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