Kritik am Monsterwellen-Reiter Gestürzt, nicht geritten

Staunend sah die Welt zu, wie der Big-Wave-Surfer Carlos Burle im portugiesischen Nazaré eine rund dreißig Meter hohe Welle ritt. Jetzt meldet sich Surflegende Laird Hamilton zu Wort: An seinem Kollegen Burle übte er scharfe Kritik - von einem Weltrekord könne keine Rede sein.

AP

Hamburg/Lissabon - Spektakuläre Bilder gingen vor wenigen Tagen aus dem Örtchen Nazaré in Westportugal um die Welt. Aufgepeitscht von Orkan "Christian" zeigte sich der Atlantik von seiner wildesten Seite; haushohe Wellen türmten sich vor der Küste auf. Rund 30 Meter hoch waren manche dieser Brecher - ein Traum für sogenannte Big-Wave-Surfer, die sich von Jetskis in die lebensgefährliche Brandung ziehen lassen.

In Nazaré wurde diesmal der Brasilianer Carlos Burle gefeiert. Er hatte erst seiner Kollegin Maya Gabeira das Leben gerettet, die nach einem missglückten Surfversuch beinahe umgekommen wäre. Dann kehrte er selbst ins Wasser zurück und erwischte eine echte Monsterwelle - einige Beobachter halten es für möglich, dass Burle dabei den Weltrekord im Big-Wave-Surfen brach.

Doch in den Chor der Bewunderer mischte sich jetzt ein prominenter Kritiker. Surflegende Laird Hamilton meldete sich in einem Interview mit CNN zu Wort - und fand darin überraschend heftige Worte für seine Kollegen.

Dazu muss man wissen, dass Hamilton nicht irgendwer ist: Der 49-Jährige gilt als eine Art Franz Beckenbauer des Big-Wave-Surfings; die moderne Variante mit Jetski-Einsatz ("Tow-in Surfing") hat er selbst miterfunden.

"Er hatte höchstens einen Wipeout auf der größten Welle"

An der vermeintlichen Rekordfahrt Carlos Burles hatte Hamilton vor allem auszusetzen, dass der Brasilianer nicht bis zum Schluss auf dem Board blieb. Stattdessen sei er in der Welle gestürzt - ein sogenannter Wipeout. "Um einen Weltrekord aufzustellen, muss man die Fahrt auf der Welle schaffen, und ich glaube, das hat Carlos nicht getan", sagte Hamilton CNN. Burle behaupte vielleicht, er habe die größte Welle aller Zeiten geritten. "Ich dagegen würde sagen, er hatte höchstens einen Wipeout auf der größten Welle, die je jemand geritten ist."

Auch mit der beinahe ums Leben gekommenen Maya Gabeira ging Hamilton heftig ins Gericht. Big-Wave-Surfing erfordere gründliches Training von Kindesbeinen an, sagte er. Gabeira habe einfach nicht die Fähigkeiten, um unter derartig heftigen Bedingungen zu fahren. "Ich glaube, es wäre an Carlos gewesen, auf sie aufzupassen. Er hat einfach Glück gehabt, dass sie nicht ertrunken ist."

Gabeiras Mentor Burle hatte die 26-Jährige am Unglückstag mit dem Jetski in Position gezogen. Gabeira konnte sich nicht halten und wurde unter Wasser gedrückt. "Sie war etwa fünf Minuten verschwunden, ich konnte sie nirgendwo sehen, ich hatte solche Angst", sagte Burle später dem Surfermagazin "Stab".

Als er Gabeira schließlich im Wasser entdeckte, war sie schon zu schwach, um sich an der Leine hinter dem Jetski festzuhalten. Sie ging erneut unter. Burle sprang schließlich ab und schwamm mit ihr durch die Brandung an Land, wo sie wiederbelebt wurde.

rls

Mehr zum Thema


insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
damp2012 31.10.2013
1. .. O.K., Jungs, ...
.. habt Ihr sonst noch "Probleme"?!?!
alzaimar 31.10.2013
2. Kein Weltrekord?
Na und. Spektakulär war es in jedem Fall. Allerdings längst nicht so atemberaubend wie der Weltrekordritt, der doch um einiges länger anhielt, soweit ich mich erinnere.
infernum 31.10.2013
3. Geplänkel unter Profis
Das ist für uns Normalas so was von weit entfernt. Beckenbauer musste zudem eher selten einer seiner Fussballkollegen/Innen(?) vor einem Ball retten. Aber ganz beeindruckend, was die Leute so machen.
nabitte 31.10.2013
4. sport oder therapie?
wieviel egomanie in diesen Sportlern tobt, merkt man an dieser debatte... da frage ich mich, ob das surfen nicht doch mehr selbsttherapie als sport ist. gilt wohl für alle extremsportler...
spon-facebook-1049022215 31.10.2013
5. Wer sich in die Gefahr begibt, kommt darin um
Naja offenbar ist die Gefahr nicht wirklich so groß, es gibt immer noch viel zuviele, die überleben, um andere von dem Blödsinn abzuschrecken.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.