Montenegro Kirchenführer stirbt an Corona – Gläubige küssen seinen Leichnam

Im Alter von 82 Jahren ist der Metropolit von Montenegro an Covid-19 gestorben. Die Gläubigen hielt das nicht von einem alten Brauch ab.
Totenmesse für Metropolit Amfilohije: Gefährliche Rituale

Totenmesse für Metropolit Amfilohije: Gefährliche Rituale

Foto: BORIS PEJOVIC/EPA-EFE/Shutterstock

Am Freitag starb der serbisch-orthodoxe Kirchenführer von Montenegro, Amfilohije, an den Folgen einer Corona-Infektion. Dies bestätigte die Metropolie in der Stadt Cetinje im Süden des Landes.

Der als Amfilohije Radovic geborene Geistliche war am 7. Oktober in eine Klinik der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica gebracht worden, wo er auch starb. Medienberichten zufolge hatte er in der Corona-Pandemie Gottesdienste ohne Mundschutz abgehalten.

Die Totenmesse wurde in der Kathedrale von Podgorica abgehalten und vom Staatsfernsehen übertragen. Tausende Gläubige nahmen am Wochenende persönlich Abschied von ihrem Kirchenführer. Dabei wurden die Corona-Hygienevorschriften sowohl von Besuchern als auch kirchlichen Würdenträgern und Politikern massiv missachtet.

Nach altem Ritus küssten die Menschen den Kopf und die Hände des Verstorbenen – obwohl die Covid-19-Fallzahlen auch in Montenegro hoch sind. Kritiker wiesen darauf hin, dass infizierte Leichen eigentlich unter strengen Sicherheitsmaßnahmen entsorgt werden müssten und keinesfalls berührt werden dürften.

Religiöser und politischer Hardliner

Zur Totenmesse geladen waren unter anderem der Präsident Serbiens Aleksandar Vučić sowie Milorad Dodik als Vertreter des bosnischen Regierungsgremiums.

Amfilohije war 1991 zum Metropoliten von Montenegro ernannt worden. Er zählte zum dogmatischen Flügel der serbisch-orthodoxen Kirche und war ein entschiedener Gegner der Unabhängigkeit Montenegros. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik hatte sich 2006 nach einem Referendum aus dem damaligen Staatenbund mit Serbien gelöst.

Amfilohije unterstützte die Kriegsagenda des ehemaligen serbischen Premiers Slobodan Milošević, der mit dem Zerfall Jugoslawiens ein Großserbien aufbauen wollte. Den zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilten bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Radovan Karadžić , bezeichnete er einst als "Giganten des serbischen Volkes". 

Als Erzkonservativer fiel er immer wieder mit homophoben Äußerungen auf und verdammte die gleichgeschlechtliche Ehe. Er vertrat antiwestliche und prorussische Positionen. Katholiken oder Muslime waren in seiner Weltsicht fehlgeleitete Menschen mit dem falschen Glauben.

ala/dpa
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