Mord an US-Kinderstar Spektakuläre Wende im Fall JonBenet Ramsey

Die Suche nach dem Mörder von JonBenet Ramsey ist doch nicht zu Ende. Der Mann, der wiederholt versicherte, vor zehn Jahren die sechsjährige Schönheitskönigin getötet zu haben, kann einem DNA-Test zufolge nicht der Täter sein. Einer der mysteriösesten Mordfälle der USA bleibt somit weiter ungelöst.


Boulder - Gestern sollte der bis dahin Hauptverdächtige erstmals dem Richter vorgeführt werden. Ihm drohte eine Anklage wegen Mordes, Entführung und sexuellen Missbrauchs. Stattdessen kam nun die überraschende Wende. Die Staatsanwaltschaft in Boulder in Colorado verzichtete auf eine Anklage. Die DNA des 41-jährigen Lehrers stimme nicht mit den am Tatort gefundenen Spuren überein, teilte Bezirksstaatsanwältin Mary Lacy mit.

Der Mann bleibt allerdings weiter in Polizeigewahrsam: In Kalifornien liegt eine Anzeige von 2001 gegen ihn vor wegen Besitzes von Kinderpornografie. CNN zufolge droht ihm im Falle einer Verurteilung höchstens ein Jahr Haft.

Das Schicksal der kleinen JonBenet, die in den USA zahlreiche Titel in Mini-Schönheitswettbewerben gewonnen hatte, bewegt bis heute die Gemüter vieler Amerikaner. Das Mädchen war am zweiten Weihnachtstag 1996 tot im Keller ihres Elternhauses gefunden worden. Die Leiche wies schwere Schlagverletzungen auf, unter anderem am Kopf. Jahrelang tappten die Ermittler im Dunkeln, auch die Eltern gerieten in Verdacht. Im Juni starb die Mutter an Krebs.

Der Angeklagte verstrickte sich in Widersprüche

Vor zwei Wochen wurde der Lehrer in Bangkok festgenommen und wenige Tage später an die USA ausgeliefert. Er gestand, das Mädchen getötet zu haben. Doch schon rasch zeigten sich Widersprüche: So hatte seine Familie wiederholt versichert, dass er Weihnachten 1996 gemeinsam mit ihnen in Atlanta verbracht hatte - worauf nun auch Staatsanwältin Lacy hinwies. Zudem passte der brutale Mord nicht zu seinen Angaben, es habe sich um einen "Unfall" gehandelt. Einige Zeitungen spekulierten bereits, der 41-Jährige genieße das Medienspektakel um ihn.

Scharf kritisierte nun sein Anwalt Seth Temin die Arbeit der Behörden. Er sei "erschüttert, dass sie diesen Mann von Bangkok bis hierher schleppten ohne einen gerichtsmedizinischen Beweis für die Vorwürfe gegen ihn und ohne weitere Indizien, die dafür gesprochen hätten, dass er etwas Falsches getan haben könnte", sagte Temin.

Der einstige Hauptverdächtige auf dem Weg vom Gericht ins Gefängnis: Er bleibt vorerst weiter in Haft
AP

Der einstige Hauptverdächtige auf dem Weg vom Gericht ins Gefängnis: Er bleibt vorerst weiter in Haft

Colorados Gouverneur Bill Owens schloss sich der Kritik an. Angesichts des derart großen Mangels an Beweisen finde er es "unglaublich, dass die Behörden von Boulder Tausende Dollar aus Steuergeldern aus dem Fenster geworfen haben, um ihn nach Colorado zu bringen". Er forderte, Staatsanwältin Lacy persönlich für den "teuersten DNA-Test in der Geschichte Colorados" zur Verantwortung zu ziehen.

str/AFP/AP



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