Mord in Weißenhorn Carolins Mutter hat gestanden

Der Fall des zu Tode geprügelten Kindes ist aufgeklärt: Die Mutter hat die Misshandlungen gestanden, die letztendlich zum Tod des Kindes führten. Inzwischen veröffentlichte die Polizei auch den Namen des geschundenen Mädchens. Sie hieß Carolin.


Krumbach - Die Mutter der Dreijährigen aus dem schwäbischen Weißenhorn gestand heute nach ihrer Festnahme in Italien, dass sie und ihr Lebensgefährte das Kind mit heftigen Schlägen traktiert hätten.

Der 30-jährige türkische Partner der 24-jährigen Polin bestreitet nach Angaben der italienischen Polizei hingegen, etwas mit dem grausigen Verbrechen zu tun zu haben.

Die beiden Flüchtigen wurden in der Nacht zum Freitag in der Hafenstadt Brindisi festgenommen. Sie befanden sich in einer Jugendherberge und wollten offenbar weiter in Richtung Griechenland und dann in die Türkei fliehen.

Festgenomme Mutter, italienischer Ermittler: Per Handzeichen die Polizei alarmiert
AP

Festgenomme Mutter, italienischer Ermittler: Per Handzeichen die Polizei alarmiert

Angeblich fädelte die Frau ihre Festnahme selbst ein. Sie habe einen Angestellten der Herberge durch Gesten gebeten, die Polizei zu rufen. Nach italienischen Angaben soll die Frau berichtet haben, ihr Freund habe sie zu der Reise in die Türkei gezwungen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Memmingen wurden Haftbefehle wegen gemeinschaftlichen Totschlags erlassen. Zunächst konnten die Festgenommenen nicht von deutschen Behörden vernommen werden, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Alfred Stoffel heute Mittag auf einer Pressekonferenz in Krumbach mit. Das Auslieferungsverfahren läuft.

Die Eltern des Kindes waren in Verdacht geraten, weil sie sich nicht gemeldet oder eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatten.

Das etwa drei Jahre alte Mädchen, dem der Kopf rasiert worden war, war am Montagnachmittag leblos und nackt auf einer Damentoilette im Weißenhorner Stiftungskrankenhaus entdeckt worden. Noch am selben Abend erlag das Kind im Klinikum Memmingen seinen schweren inneren Verletzungen. Die Obduktion hatte ergeben, dass das Kind durch gezielte Schläge auf den Kopf zu Tode geprügelt worden war.

Die Polizei hatte ein Bild des Opfers am Computer rekonstruiert, weil das Mädchen so schlimm zugerichtet war, dass es nach Polizeiangaben niemand erkannt hätte. Zunächst waren die Beamten davon ausgegangen, dass das Kind kräftig gebaut war, später wurde diese Meinung revidiert. Der Körper sei vielmehr nach der massiven Gewalteinwirkung angeschwollen. Einen sexuellen Missbrauch des Kindes haben die Gerichtsmediziner ausgeschlossen.



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