Mordfall Felix Polizei prüft ungeklärte Verbrechen an Kindern

Nach Wochen der Ungewissheit ist das Schicksal des achtjährigen Felix aus Neu-Ebersdorf nun geklärt. Der Mörder der achtjährigen Levke hat gestanden, auch Felix getötet zu haben. Die Polizei fand die Leiche des Jungen in einem Fluss. Nun prüfen die Beamten, ob der Täter noch mehr Morde zu verantworten hat.


Rotenburg - Rotenburg - "Es hat den Anschein, dass wir es in beiden Fällen mit dem selben Täter zu tun haben", sagte die Leiterin der Sonderkommission Felix, Petra Guderian. Der im Gefängnis sitzende 31-jährige Marc H. habe in einem Gespräch mit seinem Rechtsanwalt die Tat eingeräumt und angegeben, dass er den Jungen in der Geeste bei Schiffdorf-Bramel im Kreis Cuxhaven "versenkt" habe, sagte Oberstaatsanwalt Burkhard Vonnahme.

Felix wurde Ende Oktober, fünf Monate nach dem Mord an Levke, umgebracht. Der Schüler aus Neu Ebersdorf bei Bremervörde war am 30. Oktober mit dem Rad zum Spielen nach Hipstedt gefahren und auf dem Heimweg verschwunden. Polizeitaucher hatten die verpackte Leiche gestern nach dem Hinweis des Verdächtigen aus dem Fluss geborgen. Soko-Chefin Guderian berichtete, dass die in der Nacht erfolgten rechtsmedizinischen Untersuchungen den Ermittlern "nach menschlichen Ermessen" die Gewissheit gebracht hätten, dass es sich bei der Kinderleiche um Felix handelt. Eine DNS-Untersuchung stehe allerdings noch aus. Der Tod sei mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Ersticken eingetreten.

Der mutmaßliche Doppelmörder - selbst Vater von zwei Kindern - war im Dezember festgenommen worden. Er hat gestanden, die achtjährige Levke im Mai 2004 entführt und getötet zu haben. Einige Monate später war ihre Leiche im nordrhein-westfälischen Attendorn gefunden worden.

Polizei schließt weitere Taten nicht aus

Einsatz an der Geeste: Polizeitaucher fanden die Leiche im Wasser
DDP

Einsatz an der Geeste: Polizeitaucher fanden die Leiche im Wasser

Die Polizei schließt nicht aus, dass Marc H. weitere Kinder ermordet hat. Bisher sei man davon ausgegangen, dass er sich als Straftäter nur für kleine Mädchen interessierte, sagte Karsten Bettels von der Soko Felix. Jetzt bekomme der Fall eine neue Dimension, erklärte er. Die Ermittler würden jetzt alle ungeklärten Verbrechen an Kindern überprüfen. Die Polizei rief Zeugen auf, die Marc H. seit der frühen Kindheit kennen, Verdächtiges zu melden, um ein Bewegungsbild von ihm erstellen zu können.

Der 31-Jährige war 1994 wegen Vergewaltigung einer Frau im Raum Olpe zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. 1995 zog er mit seiner Mutter nach Bremerhaven. Sein dortiger Bewährungshelfer habe einen so günstigen Eindruck gewonnen, dass auf seinen Vorschlag hin die Bewährungszeit von drei auf zwei Jahre verkürzt worden sei, erklärte die Polizei früher. Im Jahr 2000 sei wegen Freiheitsberaubung an einer 17-Jährigen gegen H. ermittelt worden. Diese Ermittlungen seien eingestellt worden.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.