Mordfall Jakob Polizei soll Aussage erpresst haben

Im Zusammenhang mit dem Mordfall Jakob von Metzler ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen einen hohen Polizeibeamten wegen des Verdachts der Aussagen-Erpressung. Der Frankfurter Polizei-Vizepräsident soll angeordnet haben, den mutmaßlichen Mörder des Jungen mit Gewalt zur Aussage zu zwingen.


Blumen vor dem Haus der Familie Metzler
AP

Blumen vor dem Haus der Familie Metzler

Frankfurt am Main - Die Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. Oberstaatsanwalt Rainer Schilling sagte, es solle zu einer Zeit, als man davon ausgegangen sei, dass Jakob noch lebe, "zu Vorkommnissen gekommen sein, die die Möglichkeit einer Straftat der Aussagen-Erpressung zulassen". Weiter wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht zu dem Fall äußern.

Der elfjährige Bankierssohn Jakob von Metzler wurde am 27. September 2002 entführt und getötet. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, soll der Frankfurter Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner einen Hauptkommissar angewiesen habe, dem Verdächtigen Magnus G. im Verhör zu drohen. Zu diesem Zeitpunkt sei die Polizei davon ausgegangen, dass der kleine Jakob noch lebe. Der Kriminalhauptkommissar sollte angeblich auf Anweisung des stellvertretenden Polizeipräsidenten dem Verdächtigen sagen: "Wenn Sie jetzt nicht reden, dann werden wir Ihnen große Schmerzen zufügen. Wie Sie nie welche hatten, die Sie nie in Ihrem Leben vergessen werden." Nach mehrstündigem Verhör führte der 27-jährige Jurastudent die Ermittler zu einem kleinen Fischteich in der Nähe des Hessischen Rebsdorf. Hier lag die Leiche des Jungen verschnürt unter einem Steg.

Der Frankfurter Polizeipräsident Harald Weiss-Bolland hat am 28. Januar das hessische Innenministerium als vorgesetzte Dienststelle darüber informiert, dass die Staatsanwaltschaft gegen seinen Vize Daschner ermittle. Dem Schreiben legte er einen Aktenvermerk von Daschner bei, in dem dieser seine Anweisungen an den Hauptkommissar festgehalten hatte. Das Innenministerium bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE die Existenz des Aktenvermerks, wollte sich wegen des laufenden Verfahrens aber zum genauen Inhalt nicht äußern. Die Vernehmung sei eine "Extremsituation" gewesen, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Michael Bußer. Die Anfertigung eines Aktenvermerks zeige, dass "nichts vertuscht werden sollte".

Sollte sich der Verdacht der Aussage-Erpressung erhärten, könnten Daschner bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen.



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