Mordplan-Prozess Zeuge belastet Kriminalpolizisten

Im Prozess gegen den Hamburger Kripobeamten Thomas Wüppesahl hat der erste Zeuge ausgesagt. Der Schutzpolizist berichtete, wie sich Wüppesahls Scheinkomplize an ihn gewandt und ausgepackt hatte. Die Anklage wirft Wüppesahl vor, einen Raubmord geplant zu haben.


Angeklagter Wüppesahl: "Ich traue ihm das zu"
DPA

Angeklagter Wüppesahl: "Ich traue ihm das zu"

Hamburg - Demnach wollte Wüppesahl einen Geldboten in Berlin überfallen, den Mann mit einem Genickschuss töten und ihm dann mit einem Fleischerbeil die Hand abhacken, um an den fest geketteten Geldkoffer zu kommen. Der Kripobeamte habe mit einer Beute von 400.000 Euro gerechnet. "Ich traue ihm das zu", sagte der Zeuge heute.

Laut Anklage wollte Wüppesahl seinen Freund und Trauzeugen Andreas S. als Komplizen gewinnen. Der Mann sollte für 600 Euro eine Pistole und ein Fleischerbeil besorgen, ging aber zur Polizei. Die Kollegen von Wüppesahl hörten daraufhin die Gespräche ab und überwachten die Kontakte. Ende Oktober 2004 dann erfolgte die Übergabe der Waffe und des Beils. Wüppesahl wurde dabei verhaftet und sitzt seitdem im Gefängnis. Er macht bisher keine Aussage in dem Prozess.

Der heute vernommene Zeuge berichtete, wie Andreas S. ihn im Herbst in seiner Dienststelle aufsuchte und ihm von den Plänen erzählte. S. sei in einem "desolaten" Zustand gewesen und in Tränen ausgebrochen, als er sich dem früheren Kollegen offenbarte. Seine Ausführungen seien jedoch durchaus "plausibel und authentisch" gewesen. Der Schutzpolizist sagte, er habe selbst daraufhin die zuständigen Stellen im Landeskriminalamt eingeschaltet und sei danach nicht mehr mit dem Fall in Berührung gekommen.

Nach der Vernehmung stellte Wüppesahls Verteidiger eine Flut von Anträgen, so dass der Hauptbelastungszeuge Andreas S. nicht mehr vernommen werden konnte. Die Anwälte kritisierten, dass S. eine Rechtsanwältin als Zeugenbeistand auf Staatskosten beigeordnet wird. Nun soll er am Donnerstag gehört werden.

Der Angeklagte, der von 1987 bis 1990 erst Bundestagsabgeordneter der Grünen und dann fraktionsloser Parlamentarier war, muss sich wegen Verabredung zum Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.



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