Zyklon "Idai" Schon mehr als 130 Tote - Helfer befürchten humanitäre Katastrophe

Eine komplette Großstadt ist von der Außenwelt abgeschnitten, die Opferzahlen steigen weiter: Im Südosten Afrikas kämpfen Helfer gegen die verheerenden Folgen eines Zyklons an - sie rechnen mit dem Schlimmsten.

Anwohner in Runhowane, Simbabwe
AFP

Anwohner in Runhowane, Simbabwe


Hunderttausende Menschen sind seit Tagen von der Außenwelt abgeschnitten, mehr als 130 Menschen sind tot, unzählige Häuser überflutet. Eindrücken von Helfern zufolge zeichnet sich im Zentrum Mosambiks eine humanitäre Katastrophe infolge des starken Tropensturms "Idai" ab.

Die Küstenstadt Beira mit rund 500.000 Einwohnern ist seit Donnerstagnacht ohne Strom, Kommunikationsnetz und Landverbindung zur Außenwelt. Das Rote Kreuz und das Uno-Kinderhilfswerk Unicef meldeten, das Ausmaß der Schäden sei immer noch nicht absehbar. Das Welternährungsprogramm (WFP) will in der Unglücksregion in Kürze rund 600.000 Menschen mit Nahrungsmittelhilfe unterstützen.

"Idai" war in der Nacht zum Freitag mit Windböen bis zu 160 Stundenkilometern vom Indischen Ozean her kommend bei Beira auf Land gestoßen. Der Zyklon hatte die Stärke vier von fünf. Es kam zu Sturmfluten und schweren Regenfällen.

Nasa-Satellitenbild des Zyklons
NASA WORLDVIEW/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Nasa-Satellitenbild des Zyklons

Mindestens 68 Menschen starben im Zentrum Mosambiks, Hunderte weitere wurden verletzt, wie ein Sprecher des Katastrophenschutzes sagte. Rund 180 Schulgebäude seien schwer beschädigt worden. In Beira seien mindestens 700 Häuser komplett zerstört. Helfer befürchteten, die Opferzahl könnte weiter steigen.

"Während wir das volle Ausmaß des Schadens immer noch nicht abschätzen können, gehen wir davon aus, dass Tausende Menschen durch den Zyklon obdachlos geworden sind", erklärte ein Unicef-Sprecher in Mosambik. "Durch die Überschwemmungen drohen Durchfallerkrankungen. Dies ist besonders gefährlich für die Schwächsten, und das sind in dieser Situation Frauen und Kinder." Vermutlich seien viele Schulen, Krankenstationen, die sanitäre Infrastruktur und die Wasserversorgung zerstört.

Von Beira aus zog der Zyklon über Land abgeschwächt weiter ins nahe Simbabwe. Im Osten des Landes, in der Nähe des Ortes Chimanimani, kamen infolge von Überschwemmungen mindestens 70 Menschen ums Leben - bislang war die Rede von etwa 40 Todesopfern. Dutzende weitere Menschen gelten dem Katastrophenschutz zufolge als vermisst. Zahlreiche Häuser, Straßen und Felder seien überflutet. Retter konnten mehrere Orte wegen eingestürzter Brücken bislang nicht erreichen.

Spendenaufruf in Deutschland

Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa rief den Notstand aus. Die Regierung arbeite "rund um die Uhr, um die Katastrophe zu bewältigen". Hilfswerke wie das Rote Kreuz und Unicef riefen in Deutschland zu Spenden für die Betroffenen in den Katastrophenregionen auf.

Bereits Anfang der Woche war es in Mosambik und im Süden Malawis zu heftigem Regen und zu Überflutungen gekommen, in deren Folge in Mosambik Dutzende Menschen starben. Im benachbarten Malawi starben wegen der Unwetter seit Monatsbeginn 56 Menschen, Zehntausende wurden obdachlos.

Mosambik und Malawi gehören zu den ärmsten Ländern der Welt. Bereits seit mehreren Jahren herrschen dort im Wechsel lange Trockenzeiten und schwere Regenfälle mit verheerenden Folgen. In Mosambik hatte der Zyklon "Favio" 2007 rund 130.000 Häuser beschädigt und Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen.

mxw/dpa



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