Ausgebranntes Flugzeug in Moskau Ermittler konzentrieren sich auf drei mögliche Unglücksursachen

Warum musste eine Suchoi Superjet 100 der Airline Aeroflot notlanden und fing dann Feuer? Bei der Suche nach dem Grund stehen drei Szenarien im Fokus der Ermittler.

RUSSIAN INVESTIGATIVE COMMITEE /AFP

Was ist passiert?

Ein Passagierflugzeug ist in Moskau bei einer Notlandung in Flammen aufgegangen. Nach offiziellen Angaben waren 78 Personen an Bord - 73 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder. 41 Insassen starben. Flug SU1492 der staatlichen Gesellschaft Aeroflot sollte vom Flughafen Moskau-Scheremetjewo nach Murmansk im Norden Russlands fliegen. Rund 45 Minuten nach dem Start musste die Maschine jedoch in Scheremetjewo notlanden.

Beim Landeanflug prallte sie mehrfach auf den Boden und ging in Flammen auf. Durch den Aufprall soll ersten Erkenntnissen zufolge ein Treibstofftank geplatzt sein, das Feuer breitete sich schnell aus. Nach ersten Erkenntnissen wurde durch das Aufschlagen das Fahrwerk des Flugzeugs zerstört. Teile seien in den Tank geflogen, hieß es. Nachdem die Maschine zum Stehen gekommen war, flüchteten Insassen über die vorderen Notrutschen aus dem brennenden Flugzeug.

Für jedes Todesopfer will Aeroflot 5 Millionen Rubel (rund 69.000 Euro) an die Hinterbliebenen zahlen.

Gibt es schon Hinweise auf die Unglücksursache?

Laut Aeroflot zwang ein nicht näher beschriebener Technikfehler den Piloten nach dem Start zum Umkehren. Das Ermittlungskomitee teilte mit, man gehe verschiedenen möglichen Ursachen nach:

  • Mangelnde Qualifikation der Piloten und des technischen Personals,
  • Technisches Versagen,
  • Wettereinflüsse: Passagiere hatten von einem Blitzeinschlag berichtet. Danach sollen Teile der Technik an Bord ausgefallen sein. Auch der Pilot der Maschine sagte, die Funkverbindung sei nach einem Blitzeinschlag zusammengebrochen. Er habe die Maschine im Havariemodus steuern müssen. Feuer gefangen habe das Flugzeug erst nach der Bruchlandung.

Inzwischen sollen die Flugschreiber - der Sprachrekorder aus dem Cockpit und der Flugdatenschreiber - im Wrack gefunden worden sein. Von der Auswertung erhoffen sich Ermittler nähere Erkenntnisse. Um die Analyse kümmert sich das russische Zwischenstaatliche Luftverkehrskomitee. Dieser Prozess könnte mehrere Tage dauern. Zudem sollen Überlebende, Augenzeugen und Flughafenmitarbeiter befragt werden.

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Notlandung in Moskau: Flammen auf der Landebahn

Um welchen Flugzeugtyp handelt es sich?

Die Maschine ist vom Typ Suchoi Superjet 100. Sie ist die erste Neuentwicklung des russischen Flugzeugbaus nach dem Ende der Sowjetunion. Seit 2011 ist der Kurzstreckenflieger zugelassen. Die russische Regierung hat nach eigenen Angaben nicht vor, Maschinen dieses Typs am Boden zu halten. Aeroflot hat zurzeit 50 solcher Jets im Einsatz. Im vergangenen Herbst kündigte die Airline den Kauf von weiteren 100 Maschinen an.

Die ausgebrannte Maschine war seit 2017 in Betrieb und zuletzt im April einer Inspektion unterzogen worden, berichtete die Agentur Tass unter Berufung auf Luftfahrtkreise.

Ist es das erste Unglück einer Suchoi Superjet 100?

Nein. Bei einem Probeflug starben 2012 in Indonesien 45 Menschen. Die Maschine war gegen den Vulkan Salak geflogen. Laut der indonesischen Flugsicherheitsbehörde war damals ein Fehler des Kapitäns Ursache für die Katastrophe. Weil er es für einen Computerfehler gehalten haben soll, ignorierte der Pilot 38 Sekunden vor dem Zusammenstoß ein Warnsignal, das zum Aufsteigen aufforderte.

In Russland hatte es bislang mit der Suchoi Superjet 100 kein vergleichbares Unglück gegeben.

11. Februar 2018 - Moskau
25. Dezember 2016 - Schwarzes Meer
Eine in Adler südlich von Sotschi gestartete Militärmaschine mit 92 Menschen an Bord stürzt ins Schwarze Meer. Schuld an dem Absturz soll ein Pilotenfehler gewesen sein.
19. März 2016 - Rostow am Don
Eine Boeing 737 der emiratischen Billigfluggesellschaft Flydubai stürzt auf dem Flughafen von Rostow am Don im Süden Russlands ab. 62 Menschen sterben. Die Besatzung hatte wegen schlechten Wetters einen zweiten Landeversuch unternommen, der aber missglückte.
17. November 2013 - Kasan
Eine Boeing 737-500 der russischen Airline Tatarstan verunglückt beim Landeversuch auf dem Flughafen von Kasan. 50 Passagiere und Besatzungsmitglieder sterben.
2. April 2012 - Sibirien
Eine Maschine vom Typ ATR-72 der russischen Fluggesellschaft Utair verunglückt bei einer Notlandung in Sibirien. Es gibt 33 Todesopfer und zwölf Schwerverletzte.
7. September 2011 - Jaroslaw
Eine Jak-42-Maschine stürzt kurz nach dem Start vom Flughafen Jaroslawl 300 Kilometer nordöstlich von Moskau ab. 44 der 45 Insassen kommen ums Leben. Ermittler nennen Pilotenfehler als Ursache.
20. Juni 2011 - Petrosawodsk
Eine RusAir-Maschine vom Typ Tupolew 134 aus Moskau stürzt bei schlechtem Wetter beim Landeversuch in Petrosawodsk in der nordwestlichen Region Karelien ab. 47 der 52 Insassen starben. Laut einer Untersuchung war der Pilot betrunken.

Quelle: AFP

Gab es Auswirkungen auf den Flugbetrieb?

Ja. Nach dem Unglück wurden zunächst einige Maschinen auf andere Moskauer Flughäfen umgeleitet, mehr als hundert Flüge waren verspätet. Inzwischen läuft der Betrieb in Scheremetjewo aber wieder.

ulz/dpa/Reuters/AP

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