Demontierter Riesenkoffer in Moskau Verflixte Kiste

Für viele Bewohner Moskaus war es ein Schock: Ein gigantischer Koffer der Luxusmarke Louis Vuitton mitten auf dem Roten Platz sorgte für Empörung. Nun ist der neun Meter hohe Werbepavillon abgebaut worden.

REUTERS

Moskau - Nach heftiger Kritik ist ein riesiger Koffer der Luxusmarke Louis Vuitton in Moskau abgebaut worden. Auch ein Kran war bei der Demontage im Einsatz. Der neun Meter hohe und 30 Meter lange Reisekoffer hatte seit Tagen mitten auf dem Roten Platz gestanden.

Die gigantische Kiste diente als Werbepavillon des Modelabels - und sei eine "riesige Sauerei", wie Gennadij Sjuganow, Chef der kommunistischen Partei, den Aufbau direkt am Lenin-Mausoleum nannte. In dem Riesenkoffer sollten vom 2. Dezember bis zum 19. Januar Vuitton-Koffer ausgestellt werden, die im Laufe der Geschichte berühmten Persönlichkeiten gehört hatten. Der Erlös aus dem Kartenverkauf sollte laut dem Mutterkonzern LVMH komplett an die Stiftung "Naked Hearts" des russischen Models Natalja Wodjanowa gehen, die sich um benachteiligte Kinder kümmert.

Mit der Aktion wollte das am Roten Platz beheimatete Nobelkaufhaus GUM sein 120-jähriges Bestehen feiern. Der Riesenkoffer sorgte jedoch bei mehreren Abgeordneten, Denkmalschützern und Einwohnern für Unmut. Sie befanden unter anderem, der Pavillon verschandele den historischen Platz. Das Ungetüm müsse entfernt werden, hieß es auch aus Regierungskreisen.

Der Rote Platz gilt als der mit Abstand wichtigste Platz Russlands. Alljährlich am 9. Mai feiert hier die Staatsspitze mit Veteranen den Sieg der Sowjetunion über Hitler-Deutschland 1945. Nur selten werden Großereignisse mit Publikum erlaubt, wie vor kurzem ein Konzert der Operndiva Anna Netrebko.

Auch die GUM-Verwaltung forderte zuletzt den Abbau des Riesenkoffers. Die Konstruktion sei größer als vereinbart, zudem müsse Rücksicht genommen werden "auf die Gefühle in Teilen der Gesellschaft", sagt ein Sprecher des berühmten Kaufhauses.

Wo der Pavillon jetzt aufgestellt wird, ist bislang nicht klar. Im Gespräch sind unter anderen der Gorkipark am Ufer der Moskwa oder das Ausstellungsgelände VDNch im Norden der russischen Hauptstadt.

wit/AFP/dpa



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