Motassadeq-Prozess Mzoudi verweigert die Aussage

Der vom Terrorverdacht freigesprochene Marokanner Abdelghani Mzoudi hat als Zeuge im Prozess gegen seinen Freund Mounir al-Motassadeq die Aussage verweigert. Auf den Rat seiner Anwältin berief er sich auf das gesetzliche Aussageverweigerungsrecht.


Zeuge Mzoudi, Anwältin Pinar: "Auch eine Geldfrage"
DPA

Zeuge Mzoudi, Anwältin Pinar: "Auch eine Geldfrage"

Hamburg - Demnach muss man sich dann vor Gericht nicht zur Sache einlassen, wenn man sich mit der Aussage möglicherweise selbst belasten würde. Der 32 Jahre alte Mzoudi erschien heute in Begleitung seiner Anwältin Gül Pinar in einem schwarzen Anzug vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Nach dem rund zehnminütigen Auftritt verließ er das Gebäude, ohne sich zu äußern.

Seine Anwältin erklärte, Mzoudi bemühe sich zurzeit um einen Flug in seine Heimatstadt Marrakesch in Marokko. "Das ist aber auch eine Geldfrage", sagte sie. Auf jeden Fall wolle er einer Abschiebung zuvorkommen, weil er nicht wieder festgenommen werden wolle. Mzoudi hat bis zum 23. Juni Zeit, Deutschland freiwillig zu verlassen. Motassadeqs Anwalt Ladislav Anisic hatte gestern beantragt, dass Mzoudi als Zeuge aussagen solle. Laut Pinar war aber schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass Mzoudi schweigen würde.

Der 31-jährige Motassadeq ist wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen in Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Er hatte eine Vollmacht für das Konto eines der Todespiloten und soll so in die Geldversorgung der Gruppe beim Flugtraining in den USA eingebunden gewesen sein. Er war in einem ersten Verfahren zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aber aufgehoben und zur Neuverhandlung zurückverwiesen. Das neue Urteil wird für den 19. August erwartet.

Wegen ähnlicher Vorwürfe hatte die Bundesanwaltschaft auch den 32-jährigen Islamisten und Ex-Studenten Mzoudi beschuldigt. Das Hamburger Oberlandesgericht sprach den Marokkaner aber aus Mangel an Beweisen frei, der Bundesgerichtshof bestätigte den Freispruch.



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