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30. Oktober 2012, 07:24 Uhr

"MS Deutschland"

Reederei entlässt "Traumschiff"-Kapitän

Andreas Jungblut kämpfte hart dafür, dass die "Deutschland" weiter unter deutscher Flagge fährt - nun ist der Kapitän seinen Job los. Die Reederei des Kreuzfahrtschiffs wirft ihm Vertrauensbruch und "wiederholte Indiskretionen" vor.

Hamburg - Der langjährige Kapitän des Kreuzfahrtschiffs "MS Deutschland" ist fristlos entlassen worden. Grund für die Trennung von Andreas Jungblut seien "wiederholte Fälle von illoyalem Verhalten und Vertrauensbruch", teilte die Reederei Deilmann mit. Neuer Kapitän werde Elmar Mühlebach, der das Schiff künftig im Wechsel mit Kapitän Andreas Greulich fahren werde.

Reedereigeschäftsführer Konstantin Bissias sprach von "erneuten Vertrauensbrüchen" in den vergangenen Tagen. Hintergrund sind offenbar Äußerungen Jungbluts am Wochenende gegenüber der "Bild"-Zeitung, mit denen er Gerüchte über den Verkauf des Schiffes angeheizt hatte.

Reedereisprecherin Cornelia Kneissl bezeichnete diesen Bericht als unzutreffend. Als oberster Vertreter des Schiffes könne der Kapitän seine Ängste und Sorgen zwar gerne intern äußern. Jedoch seien immer wieder Informationen an die Presse gelangt. "Das kann nicht sein, bei keinem Arbeitgeber", stellte die Sprecherin klar.

Bereits im Juli hatte es zwischen der Reederei und Jungblut Meinungsverschiedenheiten gegeben, als dieser sich gegen damalige Pläne seines Arbeitgebers wandte, dass Schiff künftig unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Kneissl wies darauf hin, dass die Entlassung nichts mit der Beflaggung zu tun habe, sondern ausschließlich mit "wiederholten Indiskretionen".

Die geplante Ausflaggung war im Sommer auf heftige Kritik gestoßen, auch auf Seiten der Bundesregierung. Schließlich sah die Reederei von dem Flaggenwechsel ab und begründete dies mit dem "großen Interesse an der Flagge unseres Traumschiffs". Die aus der ZDF-Reihe "Traumschiff" bekannte "Deutschland" ist das einzige Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge.

Die Reederei Deilmann gehört seit ihrer Insolvenz 2010 zum Finanzinvestor Aurelius. Sie befinde sich "noch immer in einer Sanierungsphase", schrieben die Geschäftsführer im Sommer in einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck. Aurelius hat nach Information des SPIEGEL zuletzt mehr als 8,5 Millionen Euro Minus für seine "MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft" verbucht. Allein das Schiff verursachte 2011 einen operativen Verlust von 1,5 Millionen Euro.

wit/dapd

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