"MSC Zoe"-Havarie Mehr als 200 verlorene Container in der Nordsee geortet

Gut 280 Container verlor die "MSC Zoe" in der stürmischen Nordsee. Inzwischen ist klar: Ein Großteil der Frachtbehälter ist auf den Meeresboden gesunken - einige wenige bleiben eine Gefahr.

Auf Vlieland angespülter Container
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Auf Vlieland angespülter Container


Der überwiegende Teil der bei der Havarie des Frachters "MSC Zoe" in der Nordsee über Bord gegangenen Container ist auf dem Meeresboden geortet worden. 220 der 281 Behälter habe man mit Sonartechnik lokalisiert, teilte das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft in Den Haag mit. 18 weitere Behälter seien an Land gespült worden.

Die "MSC Zoe" hatte die Container vorige Woche auf dem Weg von Antwerpen nach Bremerhaven verloren, darunter einige mit gefährlicher Ladung. Ein Behälter mit 250 Säcken voller toxischer Peroxide in Pulverform war aufgebrochen, einige Säcke waren angespült worden. Von dem anderen Gefahrgut-Container mit 1400 Kilo Lithium-Batterien fehlt noch jede Spur. Es bestehe nach eigener Einschätzung aber keine akute Gefahr für die Umwelt, teilte das niederländische Ministerium mit.

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Ein großer Teil der Container liegt nach Angaben der Behörden an zwei Stellen zwischen den niederländischen Wattenmeer-Inseln Terschelling und Schiermonnikoog sowie der deutschen Insel Borkum. Der Schiffsverkehr werde nicht behindert.

Die meisten bisher an den Küsten angespülten Container und deren Ladung wurden nach Angaben des Havariekommandos auf den niederländischen Inseln entdeckt. Demnach wurden in deutschen Gewässern bislang knapp 20 Container gesichtet oder per Sonar geortet. Sie konnten aber noch nicht geborgen werden. Unter anderem aufgrund des hohen Wellengangs sei dies schwierig, sagte der Sprecher des Havariekommandos.

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"MSC Zoe": Container über Bord

Die Wasserschutzpolizei ermittelte zwei mögliche Positionen für den Verlust der Container von Bord des Schiffes. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie erstellte anhand der Daten ein "Driftmodell", um den wahrscheinlichen Weg der treibenden Container und Ladung verfolgen zu können.

Mit drei Sonar-Schiffen sowie Flugzeugen hatte die niederländische Küstenwache in den vergangenen Tagen nach den Containern gesucht. Die Bergung könne Monate dauern, hieß es.

Die Schweizer Reederei MSC hat zugesagt, alle Kosten für Säuberung und Bergung zu übernehmen. Vor allem die Strände der niederländischen Wattenmeer-Inseln waren mit Fracht aus den Containern und Verpackungsmüll übersät.

Die weiter im Meer treibenden Container können für Kutter- und Küstenfischer gefährlich werden. Wenn Container knapp unter der Wasseroberfläche treiben, können sie vom Radar der Schiffe nicht geortet werden. "Die Kollisionsgefahr ist sehr hoch", sagte der Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes, Claus Ubl. Zudem könnten sich Fanggeschirre oder Netze an Containern verhaken, die auf den Meeresboden gesunken sind: "Schlimmstenfalls kann dies zum Kentern des Schiffes führen."

wit/dpa



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