Münchner Oktoberfest Polizei fahndet nach Messerstecher von der Wiesn

Schwer verletzt musste ein 21-jähriger Wiesn-Besucher aus Hamburg notoperiert werden. Die Polizei will dem Täter per Öffentlichkeitsfahndung auf die Spur kommen.
Eng an eng: Besucher der Wiesn in München

Eng an eng: Besucher der Wiesn in München

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Christof Stache / AFP

Nach dem Mann, der auf dem Münchner Oktoberfest einen 21-Jährigen mit einem Messer angegriffen hat, wird gefahndet. Die Münchner Polizei hat Bilder des Verdächtigen sowie seiner Begleiter veröffentlicht.

In der Nähe der Theresienwiese hatte der Täter in der Nacht zum Freitag auf den jungen Mann eingestochen. Der Hamburger wurde schwer verletzt und musste notoperiert werden. Mittlerweile ist er außer Lebensgefahr.

Wie es zu der Auseinandersetzung kam, ist noch ungeklärt. Der Täter und seine Bekannten sind flüchtig. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, wurde eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt.

Die Bundespolizei in München meldete am Sonntag mehrere Körperverletzungsdelikte, die sich bei der An- und Abreise zum 187. Oktoberfest ereigneten.

Eine 19-jährige Wiesnbesucherin wartete gegen 1.30 Uhr am S-Bahnsteig der Hackerbrücke auf ihre Bahn, als sie von oben mit einer Glasflasche beworfen und am Kopf getroffen wurde. Sie erlitt eine stark blutende Platzwunde.

Die Frau kam zur Versorgung in ein Münchner Krankenhaus, wo die Platzwunde genäht und eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurden. Die Bundespolizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts einer gefährlichen Körperverletzung aufgenommen. Sie bat darum, an stark frequentierten Orten besonders umsichtig mit Flaschen oder Gläsern umzugehen.

Safe Space für Frauen auf der Wiesn

Mindestens 21 Besucherinnen des Oktoberfestes haben in der ersten Wiesn-Woche sexuelle oder körperliche Gewalt auf dem Festgelände erlebt. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Zwischenbilanz der Aktion »Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*« hervor, die das Hilfsangebot Safe Space betreibt. In der ersten Festwoche 2019 hatten hier nur 14 Frauen und Mädchen Unterstützung wegen Gewalterfahrungen gesucht.

Einen Anstieg der Gewalt auf dem Münchner Volksfest sehen die Verantwortlichen aber nicht. Die vermehrte Nachfrage sei auf den wachsenden Bekanntheitsgrad der Aktion zurückzuführen und auf gesellschaftliche und politische Debatten rund um das Thema.

Die Polizei registrierte 31 Sexualdelikte, darunter keine Vergewaltigung. 923 Einsätze habe man absolviert – vor drei Jahren seien es zur gleichen Zeit mehr als 1000 gewesen, hieß es.

Gedenken an Oktoberfest-Attentat

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erinnerte an das Oktoberfest-Attentat von 1980. Er rief zum Kampf gegen Rechtsextremismus »mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften« auf. Am Wiesn-Haupteingang, dem Ort des Anschlags, verlas er am Donnerstag bei einer Kranzniederlegung die Liste der zwölf damals getöteten Wiesn-Besucher. Die »Erinnerung ist wach«, sagte Reiter. An dem Gedenken nahmen Überlebende und Angehörige von Opfern teil.

Am Abend des 26. September 1980 hatte eine Bombe zwölf Wiesn-Besucher sowie den rechtsextremen Bombenleger Gundolf Köhler selbst in den Tod gerissen. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Es war der schwerste rechtsextreme Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

Bisher drei Millionen Gäste

Laut Bayerischem Rundfunk  haben in der ersten Woche rund drei Millionen Gäste das Oktoberfest besucht, 300.000 weniger als 2019. Im Vergleich wurde 15 Prozent weniger Bier getrunken.

Wie die Veranstalter mitteilten, soll erstmals nach Jahren auf dem Münchner Oktoberfest wieder Glühwein ausgeschenkt werden. Die Festleitung erlaubte den Verkauf des winterlichen Heißgetränks. Man habe sich wegen der auch für die zweite Festwoche schlechten Wetterprognose dazu entschlossen, den Verkauf an Eisständen zu erlauben, sagte Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) zur Halbzeit des Festes.

Schon 2008 wurde Glühwein ausgeschenkt, nachdem es tagelang um oder sogar unter zehn Grad hatte. Damals wurden mehrere Tausend Liter getrunken.

ala/dpa/AFP
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