Kindesmissbrauch in Münster Hauptverdächtiger soll Vereins-WLAN eingerichtet haben

Ein IT-Techniker soll Kinder in der Laube eines Kleingartenvereins schwer sexuell missbraucht und Aufnahmen der Taten verbreitet haben. Die Mutter eines mutmaßlichen Opfers deckte ihn offenbar jahrelang.
Kleingartensiedlung in Münster: Konnte der mutmaßliche Täter auf die Videoüberwachung zugreifen?

Kleingartensiedlung in Münster: Konnte der mutmaßliche Täter auf die Videoüberwachung zugreifen?

Foto: David Inderlied/Kirchner-Media/ imago images/Kirchner-Media

Der 27 Jahre alte Hauptbeschuldigte im Missbrauchsfall von Münster hat als IT-Experte auch das WLAN-Netzwerk für den Kleingartenverein eingerichtet, in dem einer der beiden bislang bekannten Tatorte liegt. "Er hatte auch Administratorrechte", sagte eine Polizeisprecherin. Inwieweit der Münsteraner damit auch Zugriff auf die Videoüberwachung des Kleingartenvereins gehabt habe, sei jetzt Teil der Ermittlungen.

In einer Gartenhütte des Vereins, die der 45-jährigen Mutter des Hauptbeschuldigten gehört, sollen zwei Jungen über Stunden wechselweise von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Die Ermittler fanden in einer Zwischendecke des mit videoüberwachten Doppelstockbetten ausgestatteten Häuschens professionelle Aufzeichnungstechnik und Computer versteckt. Die Mutter des Hauptverdächtigen ist ebenfalls inhaftiert, bis zu ihrer Festnahme soll sie als Erzieherin in einer Kita gearbeitet haben.

Derweil gilt die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Täters nicht mehr als dringend tatverdächtig, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Sie sitze demnach nicht in Untersuchungshaft. Ihr eigener zehnjähriger Sohn ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Opfer in dem Missbrauchskomplex. Die Frau soll die Taten des 27-Jährigen nach einem Bericht der "Westfälischen Nachrichten"  über mehrere Jahre hinweg gedeckt haben und ist laut Staatsanwaltschaft weiterhin Teil der Ermittlungen.

Bislang gab es in dem am Wochenende öffentlich gewordenen Fall Festnahmen von elf Tatverdächtigen aus mehreren Bundesländern, sieben sitzen in Untersuchungshaft. Die Opfer sind zwischen fünf und zwölf Jahren alt und werden von den zuständigen Jugendämtern betreut.

lmd/dpa