Selbst ernannter Cophunter angeklagt Mutmaßlicher »Reichsbürger« rief zur Jagd auf Polizisten auf

Nach der Tötung zweier Polizisten bei Kusel rief ein Mann bei Facebook per Video dazu auf, weitere Beamte umzubringen. Er selbst behauptet, seine Äußerungen seien Satire.
Gedenkveranstaltung für die zwei Polizisten in Homburg im Februar

Gedenkveranstaltung für die zwei Polizisten in Homburg im Februar

Foto: Harald Tittel / dpa

Er erkor das Töten von Polizisten bei Facebook zum »neuen Sport«: Nach der Tötung von zwei jungen Polizisten bei einer Fahrzeugkontrolle Ende Januar soll ein 55-Jähriger zur Tötung weiterer Polizeibeamter aufgerufen haben.

Die Landeszentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus Rheinland-Pfalz bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat den Mann nun angeklagt, wie sie am Montag mitteilte. Bei ihm handelt es sich nicht um den mutmaßlichen Mörder der beiden Polizisten bei Kusel. Dieser – der 38 Jahre alte Andreas S. – sitzt bereits seit Ende Januar in Untersuchungshaft.

Der nun Beschuldigte soll in zwei selbst gedrehten Videos auf Facebook den Doppelmord gebilligt und zur Tötung weiterer Polizeibeamte aufgerufen haben. Im ersten Video soll der mutmaßlich den sogenannten Reichsbürgern nahe stehende 55-Jährige die Gründung eines »Cophunter-Vereins« (Polizistenjäger-Vereins) angekündigt haben.

Gegen eine Gebühr von 500 Euro, soll er in den Videos angekündigt haben, würde er Polizisten auf einen Feldweg locken. Anschließend hieße es für die Teilnehmer »Schuss frei!« – und: der »Spaß« könne beginnen.

Angeblich »Party« geplant, wenn weitere Polizisten sterben

In dem zweiten Video soll der Mann zur »Ermutigung« von »Anfängern« die Tötung an der Polizistin und dem Polizisten bei Kusel angeführt haben, um zu zeigen, dass es leicht sei, solche unerfahrenen Beamten zu töten.

Bei der jungen Polizistin, die damals erschossen wurde, handelte es sich um eine 24-jährige Polizeischülerin. Der getötete Beamte war 29. Der Mann soll auch behauptet haben, wer einen Polizisten erschieße, bekäme die Teilnahmegebühr von 500 Euro erstattet. Außerdem habe er anlässlich der Aktion eine »Party« organisieren wollen.

Darüber hinaus soll er am 2. Februar – wenige Tage nach der Tat bei Kusel – eine E-Mail an die Polizei geschickt und darin das Andenken an die beiden Getöteten verunglimpft – und die Beamten in der Polizeidienststelle beleidigt haben. Außerdem soll er seinen Impfausweis gefälscht haben.

Bei dem Mann handelt es sich laut der Landesstelle um einen »Reichsbürger«. Er soll eine tiefgehende feindliche Gesinnung gegenüber dem Staat und Polizisten haben.

Der Mann behauptet laut Ermittlern, bei seinen Facebook-Profilen handle es sich um »Comedy-Seiten« mit Satire. Die Fälschung seines Impfausweises bestreite er.

has/dpa