Mysteriöse Mordserie in der US-Armee Blutrausch nach Afghanistan-Einsatz

Innerhalb weniger Wochen nach ihrem Einsatz in Afghanistan haben in den USA drei Soldaten ihre Ehefrauen brutal umgebracht. Polizei und die US-Militärs untersuchen nun, ob die Mordserie mit den Operationen der Elitesoldaten gegen die Taliban im Zusammenhang steht.


Tausende US-Soldaten sind in Afghanistan teilweise auf geheimen Missionen unterwegs
AP

Tausende US-Soldaten sind in Afghanistan teilweise auf geheimen Missionen unterwegs

Fayetteville/Fort Bragg - Die Mordserie rund um das US-Militärcamp Fort Bragg begann bereits am 10. Juni. Der US-Soldat Rigberto Nieves von der dritten Gruppe der Special Forces war gerade erst zwei Tage wieder in seiner Heimat, als er seine Frau Teresa erschoss und sich kurz darauf selber das Leben nahm. Rund drei Wochen später erwürgte der Soldat William Wright seine Frau, nachdem er vor etwa einem Monat von seinem Einsatz mit einer Spezialeinheit in Afghanistan zurückgekehrt war. Wiederum drei Wochen später erschoss Brandon Floyd, der Mitglied in der streng geheim operierenden "Delta Force" sein soll und ebenfalls erst kürzlich in seine Heimat zurückgekehrt war, seine Frau Andrea und danach sich selbst.

Mittlerweile sind Militärs und Polizei mit intensiven Ermittlungen beschäftigt. "Wir werden jeden Fall überprüfen", sagte ein Geistlicher der Spezialeinheiten auf einer Pressekonferenz. Laut den Berichten mehrerer US-Medien wird zumindest angenommen, dass die Mordserie mit den Einsätzen in Afghanistan zusammenhängen könnte. In Fort Bragg im US-Staat North Carolina sind rund 40.000 Soldaten, darunter zwei Eliteeinheiten und die 82. Airborne Division stationiert. Auch die streng geheime "Delta Force", die in Afghanistan für die besonders gefährlichen Kommandos eingesetzt wird, soll dort zum Teil stationiert sein.

Elitesoldat im Schlaf erschossen

Zusätzlich zu den drei Fällen gibt es laut amerikanischen Medien unter den Soldaten von Fort Bragg einen weiteren mysteriösen Mord. So wurde der Major Savon Shallon Anfang dieser Woche in seinem Haus erschossen, als er schlief. Er war ebenfalls in einer Spezialeinheit tätig, die in Afghanistan eingesetzt wurde. Bisher gibt es jedoch weder einen Verdächtigen noch Hinweise auf ein mögliches Motiv für den Mord.

Offiziell hielten sich die Militärs bisher mit Stellungnahmen zu der Mordserie zurück. Alle Fälle würde intensiv untersucht, hieß es in US-Medien. Freilich lassen regierungsnahe anonyme Quellen schon jetzt deutlich durchblicken, dass die Morde vermutlich nichts mit den Kriegseinsätzen zu tun hätten. Vermutlich, so die These, hätten die Soldaten ganz normale Probleme gehabt, die in jeder anderen Ehe auch vorkommen könnten. Neben den kriminalistischen Ermittlungen will die Armee jedoch auch überprüfen, ob die Soldaten nach den Einsätzen ausreichend betreut wurden. Nach den Erfahrungen aus dem Golf-Krieg hatte die US-Armee ein spezielles Programm für die Familien der Soldaten eingeführt, das eigentlich schon bei den ersten Anzeichen von persönlichen Problemen greifen sollte.



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