Nach Amoklauf Schüler fordern gerechtere Schulgesetze

Mehr als 3000 Menschen sind in Erfurt für Veränderungen im Thüringer Schulsystem auf die Straße gegangen. Dass Gymnasiasten keinen Abschluss haben, wenn sie kurz vor dem Abitur fliegen, müsse geändert werden. Vermutlich war ein Schulverweis der Auslöser für Robert Steinhäusers Amoklauf.


Schülerprotest in Erfurt: Für ein gerechteres Schulsystem
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Schülerprotest in Erfurt: Für ein gerechteres Schulsystem

Erfurt - Elf Tage nach dem Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium zogen am Dienstag mehr als 3000 Schüler, Eltern und Lehrer durch die Erfurter Innenstadt. Unter dem Motto "Schrei nach Veränderung" forderten sie eine Änderung der Thüringischen Gesetze. Denn wird ein Schüler vor dem Abitur der Schule verwiesen, hat er nach dem Landesgesetz keinerlei Abschluss - kein anderes Bundesland hat ein derart strenges Schulgesetz wie Thüringen.

Robert Steinhäuser, der am 26. April 16 Menschen und sich selbst erschossen hatte, war wenige Monate vor dem Abitur aufgefordert worden, die Schule zu verlassen. Seinen Eltern hatte er nicht erzählt, dass er die Reifeprüfung nicht am Gutenberg-Gymnasium ablegen würde. Noch am Tag des Amoklaufs erklärte er zu Hause, er schreibe die Englisch-Prüfung.

Inzwischen hat Thüringens Kultusminister Michael Krapp eine Zwischenprüfung nach der zehnten Klasse vorgeschlagen. Bislang müssen Gymnasiasten extra einen Antrag stellen, um nach der zehnten Klasse eine externe Prüfung abzulegen. Entsprechend könnten nach den Krapp-Vorschlag dann auch Realschüler, die in der Abschlussklasse scheitern, einen Hauptschulabschluss machen. Die neue Regelung könnte ab den kommenden Schuljahr 2003 gelten.

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