Nach dem Terror-Prozess Hamburger Uni verweigert Mzoudi Studienplatz

Der vom Terrorvorwurf freigesprochene Abdelghani Mzoudi soll nach SPIEGEL-Informationen nicht weiter in Hamburg studieren dürfen. Der Innenbehörde der Hansestadt dürfte dies gut passen. Sie plant bereits die Abschiebung des Marokkaners, die ohne einen Studienplatz möglich ist.

Hamburg - Nach dem spektakulären Freispruch muss Abdelghani Mzoudi nun einen herben Rückschlag einstecken. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften, an der Mzoudi seit 1997 bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2002 Elektrotechnik studiert hatte, will seinen Antrag auf einen neuen Studienplatz mit Hinweis auf seine hohe Semesterzahl ablehnen, berichtet DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe.

Mit der Weigerung der Universität ist jedoch nicht nur Mzoudis berufliche Zukunft gefährdet - auch der weitere Aufenthalt Mzoudis in Deutschland könnte nach der Entscheidung rasch enden. Mzoudi bemüht sich nämlich derzeit um eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland, die jedoch fest an ein Studium geknüpft ist.

Die Hamburger Innenbehörde hingegen will den Marokkaner noch immer abschieben. Immer wieder betont Innensenator Dirk Nockemann, dass Mzoudi auch nach seinem Freispruch ein bleibendes Risiko für alle deutschen Bürger sei. Aus diesem Grunde hat er bereits vor längerer Zeit seine Beamten angewiesen, alle Möglichkeiten für eine Abschiebung zu prüfen.

Bisher hatten Mzoudis Anwälte diese Variante gar nicht erst ernst genommen. "Herr Mzoudi wird länger in Deutschland bleiben als Herr Nockemann im Amt", scherzte Verteidigerin Gül Pinar noch bei der Urteilsverkündung.

Den Beistand seiner Juristen wird Mzoudi nun erneut brauchen. Gegen das Nein der Hamburger Hochschule kann Mzoudi vor das Verwaltungsgericht ziehen - indem er für seine studiumsfreie Zeit in Untersuchungshaft einen "Härtefall" geltend macht. Außerdem hat er die Möglichkeit, es an anderen Hochschulen zu versuchen.

Eine Abschiebung hingegen birgt für Mzoudi unabsehbare Risiken. In ähnlichen Fällen in der Vergangenheit hatte sein Heimatland Marokko eng mit den Behörden der USA zusammengearbeitet und Terror-Verdächtige ohne Beweise oder Verhandlungen an die CIA ausgehändigt. Der Hamburger Freispruch würde Mzoudi vor einem ähnlichen Schicksal kaum schützen.