Nach Fährunglück auf den Philippinen Kaum Hoffnung auf Überlebende

Mit fortschreitender Zeit schwindet die Hoffnung: Beim Untergang der Fähre "Princess of the Star" vor der philippinischen Küste sind möglicherweise mehr als 800 Menschen getötet worden. Der Taifun "Fengshen" hinterließ schwere Schäden, Hunderttausende sind obdachlos.


Manila - Die Schäden sind verheerend: Nach Angaben des lokalen Roten Kreuzes starben bei dem Wirbelsturm und dem Untergang des Schiffes 152 Menschen. Mehr als 360.000 Menschen in zahlreichen Provinzen sind obdachlos.

Die Fähre "Princess of the Star" war am Samstag in schwerer See nach einem Maschinenschaden vor der Insel Sibuyan auf Grund gelaufen. Bislang wurden zehn Tote geborgen, an Bord sollen nach neuen Angaben 845 Menschen gewesen sein: 724 Passagiere und 121 Besatzungsmitglieder. Bislang konnten nur vier Menschen lebendig geborgen werden.

Rettungskräfte der Küstenwache klopften am Samstagabend auf der Suche nach weiteren Überlebenden gegen den Rumpf des Schiffes - erhielten jedoch keine Antwort. Das stürmische Wetter und die raue See hinderten Taucher daran, unter die gekenterte Fähre zu gelangen. Nun soll die Suche in der Nacht zum Montag fortgesetzt werden.

Der Taifun behindert die Helfer

Einer der Überlebenden erklärte, das Schiff habe wegen des Sturms seine Fahrt drosseln müssen. "Wir haben gerade gegessen, als die Fähre plötzlich kippte. Uns wurde gesagt, zieht die Schwimmwesten an und verlasst das Schiff." Viele Menschen seien ins Wasser gesprungen.

"Die, die nicht springen konnten, sind wahrscheinlich in der Fähre ums Leben gekommen." Nach Aussage des Augenzeugen seien das vor allem Kinder und Ältere gewesen. Polizeichefinspektor Reynaldo Reyes sagte: "Wir befürchten, dass weitere Leichen in der Fähre eingeschlossen sind."

Die "Princess of the Star" hatte am Freitag Manila verlassen und sollte am Samstagnachmittag in der Provinz Cebu ankommen. "Bei einer Leiche handelt es sich um eine alte Frau, die auf einer Schaummatratze festgebunden war. Andere Leichen haben wir nicht gesehen", erklärte Reyes weiter.

Die Suche nach Überlebenden gestaltete sich schwierig. "Es ist ein Rennen gegen die Zeit", sagte ein Vertreter des philippinischen Roten Kreuzes. Rettungsboote mussten wegen des schlechten Wetters umkehren. Ein Sprecher der Marine sagte: "Eines unserer Schiffe musste seine Aktion abbrechen wegen der riesigen Wellen, des heftigen Regens und des starken Windes." Die Präsidentin der Philippinen, Gloria Macapagal Arroyo, kritisierte den Chef der Küstenwache. Die Fähre sei trotz einer Taifun-Warnung ausgelaufen.

Hunderte oft altersschwache Schiffe pendeln täglich zwischen den mehr als 7000 Inseln des Landes. Sie gelten als Hauptverkehrsmittel. Bei der größten Katastrophe der zivilen Schifffahrt waren kurz vor Weihnachten 1987 beim Zusammenstoß einer Fähre mit einem Öltanker vor der philippinischen Insel Mindoro mehr als 4000 Menschen umgekommen.

Überflutete Straßen, abgesagte Flüge, Dutzende Opfer

Die Philippinen werden immer wieder von Unwetterkatastrophen heimgesucht. Der Archipel liegt am Rand einer Zone im westlichen Pazifik, die das Jahr über von tropischen Wirbelstürmen erfasst werden kann.

"Fengshen" hinterließ eine Schneise der Verwüstung: Erdrutsche blockierten Wege, in Manila waren Hauptstraßen überflutet. Weite Teile der Stadt hatten keinen Strom mehr, es stürmte und regnete heftig. Flüge wurden abgesagt. Der Wirbelsturm war mit Windgeschwindigkeiten von 195 Stundenkilometern über Teile des Inselstaates hinweggefegt.

Allein in der zentralen Provinz Iloilo, etwa 560 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila, kamen mindestens 59 Menschen ums Leben. Mehrere Städte der Region sind überflutet. Der Gouverneur rief den Notstand aus und fürchtet, dass die Zahl der Opfer in der Provinz auf mehr als hundert steigen könnte. Viele Gebiete sind wegen der Überflutungen nicht zu erreichen.

Papst Benedikt XVI. sprach den Philippinern sein Mitgefühl aus. Er bete für die Menschen, die bei dem Taifun und dem Schiffsunglück gestorben sind, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem Angelus-Gebet in Rom.

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

han/dpa/AP/AFP



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