Nach Fund weiterer Kinder-Gräber Zwei katholische Kirchen in Kanada niedergebrannt

Die Behörden stufen die Brände als »verdächtig« ein: Nachdem Suchtrupps erneut Hunderte anonymer Gräber auf dem Gelände eines früheren Kirchen-Internats gefunden haben, kommt es in Kanada offenbar zu Racheakten.
Bereits Mitte Juni brannte die »Sacred Heart Church« in Penticton nieder. Zwei weitere Brände an Kirchen haben die Behörden nun als »verdächtig« eingestuft

Bereits Mitte Juni brannte die »Sacred Heart Church« in Penticton nieder. Zwei weitere Brände an Kirchen haben die Behörden nun als »verdächtig« eingestuft

Foto:

James Miller / AP

Wenige Wochen nach dem Fund der sterblichen Überreste von 215 Kindern in einem früheren katholischen Internat für indigene Kinder im kanadischen Kamloops sind in der Nähe erneut zwei katholische Kirchen durch Feuer zerstört worden. Innerhalb von einer Stunde seien am frühen Samstagmorgen sowohl die Kirche St. Ann im Indigenen-Gebiet Upper Similkameen und die Chopaka-Kirche im Gebiet Lower Similkameen in Brand geraten, teilte die kanadische Bundespolizei mit.

»Beide Kirchen wurden zerstört«, hieß es in einer Mitteilung der Polizei, die die Brände als »verdächtig« einstufte. Es werde geprüft, ob es eine Verbindung zu den Kirchenbränden in den rund 50 Kilometer entfernten Städten Penticton und Oliver vor einer Woche gebe. Die Ermittlungen zu den Bränden in Penticton und Oliver dauern derzeit noch an.

Dunkles Kapitel in Kanadas Geschichte

Vor wenigen Wochen waren auf dem Gelände eines früheren katholischen Kinderheims in Kamloops in der westkanadischen Provinz British Columbia die sterblichen Überreste von 215 heimlich verscharrten Kindern entdeckt worden. Der Fund hatte landesweit für Erschütterung gesorgt. In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 3200 dieser Kinder, die meisten an Tuberkulose.

In dieser Woche war ein zweiter Fundort bekannt geworden: Auf dem Gelände eines weiteren früheren Internats für indigene Kinder stießen Suchtrupps auf 751 Gräber. Die Anlage liegt in der Stadt Regina in Zentralkanada und war von 1899 bis 1997 in Betrieb. Das Volk der Cowessess übernahm die Einrichtung erst in den Achtzigerjahren von der katholischen Kirche.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau entschuldigte sich am Freitag für die »schädliche« Politik der erzwungenen Assimilation, räumte die Verantwortung der kanadischen Regierung ein – und forderte auch Papst Franziskus zu einer Entschuldigung auf.

beb/dpa
Mehr lesen über