Nach neuen Missbrauchsvorwürfen Jackson räumt Millionenzahlungen ein

Der wegen Kindesmissbrauch angeklagte Popstar Michael Jackson hat zugegeben, zur Vermeidung eines Rechtsstreits Geld an potenzielle Kläger gezahlt zu haben. Er bestätigte damit indirekt die Aussage eines Polizisten, der ihn schwer belastet hatte.


Jackson: Unter Verdacht
DPA

Jackson: Unter Verdacht

Los Angeles - Die Erklärung wurde am Freitag wenige Stunden vor der Ausstrahlung eines NBC-Berichts veröffentlicht, wonach Jackson dem Sohn eines Angestellten 1990 zwei Millionen Dollar zahlte, um einer Anklage wegen sexuellen Missbrauchs zu entgehen. Jackson ging in seiner Erklärung nicht direkt auf die in Auszügen bereits am Donnerstag veröffentlichten Vorwürfe ein, betonte aber, er habe nie einem Kind Schaden zugefügt.

"Diese Leute wollten ausbeuten, dass ich mich um Kinder kümmere, indem sie damit drohten, alles zu zerstören, woran ich glaube und was ich mache", erklärte Jackson. "Ich bin ein verwundbares Ziel für diejenigen gewesen, die Geld wollen." Aus Sorge um seine Familie habe er eine gerichtliche Auseinandersetzung vermeiden wollen. Womit ihm gedroht wurde, teilte der 46-Jährige nicht mit. Er habe das Befürfnis, auf "Unwahrheiten und Sensationsmache zu reagieren", erklärte Jackson, ohne den NBC-Bericht direkt zu erwähnen.

In dem Bericht behauptete der frühere Polizeichef des Bezirks Santa Barbara, Jim Thomas, dass Jackson 1993 an die Familie des damals zwölfjährigen Jungen zwei Millionen Dollar gezahlt habe. Bei dem Kind handelte es sich um den Sohn eines Angestellten der Jackson-Ranch Neverland.

Die Polizei war dem Bericht zufolge auf den betreffenden Jungen aufmerksam geworden, als sie 1993 Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs eines anderen Kindes untersuchte. Dieser erste Junge hatte allerdings seine zunächst erhobenen Vorwürfe zurückgenommen. US-Medien hatten später berichtet, die Familie des Kindes habe dafür von Jackson eine Millionensumme erhalten.

Der Ex-Sheriff Thomas erklärte, sein Büro sei damals Hinweisen zu acht bis zehn Kindern nachgegangen, die "gewisse Zeit mit Jackson in dessen Schlafzimmer verbrachten". Sie hätten jedoch erklärt, dass "nichts passiert ist" oder die Aussage verweigert.

Jackson ist derzeit mit der Anklage des siebenfachen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen im vergangenen Jahr konfrontiert. Der Musiker befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuß. Der Prozess soll im Januar des kommenden Jahres beginnen. Jackson hat mehrfach alle Anschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, er sei Opfer einer Rufmordkampagne.



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