Nach pikanter Spendenaktion Caritas vergibt nacktem Kalender-Girl

Sie zog sich für den guten Zweck aus - doch das war den kirchlichen Wohltätern zu viel. Weil Edeltraud L. sich für einen Spendenkalender in erotischer Pose fotografieren ließ, wurde sie von ihrer Caritas-Dienstleiterin rausgeworfen. Jetzt haben die Helfer ein Einsehen: Die Würzburgerin darf wieder ehrenamtlich tätig sein.

Von Markus Brügge


Bild des Anstoßes, Edeltraud L. als "Oktober-Girl": Bislang 20.000 Euro für krebskranke Kinder
Tobias Launer

Bild des Anstoßes, Edeltraud L. als "Oktober-Girl": Bislang 20.000 Euro für krebskranke Kinder

Würzburg - Alle waren sie da, um über Edeltraud L. und ihre Kalenderaktion zu berichten: Bayerischer Rundfunk, RTL, Sat.1, die Zeitungen. Alle wollten darüber berichten, wie und warum die Würzburgerin sich ausgezogen hatte, wie sie sich fotografieren ließ und wie sie dann gefeuert wurde.

Edeltraud L. war ehrenamtlich für die Grünen Damen der Caritas tätig, sie besuchte Krebspatienten in der Uni-Klinik Würzburg. Krebskranken Kindern sollte auch der Kalender "Kalendergirls" helfen, für den sie sich - wie 14 andere Frauen - vor der Kamera von Gerhard Launer auszog. Geschmacklos, befand die Dienstleiterin - und forderte von der 54-Jährigen die grüne Schürze - das Symbol der Grünen Damen - zurück. Übrigens ohne das betreffende Foto auch nur einmal gesehen zu haben.

Wut und Ärger sind inzwischen bei dem "Oktober-Girl" verraucht, denn der Medienrummel hat die Verkaufszahlen des Kalenders kräftig nach oben getrieben: "Die erste Auflage von 2000 Stück war schnell weg, die zweite Auflage ist in Vorbereitung", sagt Tobias Launer, Sohn des Fotografen und für die Gestaltung des Internetauftritts zuständig. Allein im Netz verkaufte sich der Kalender für 9,90 Euro mehr als 1300 Mal. Ingesamt sind bereits 20.000 Euro für die Kinderkrebsstation der Uni-Klinik Würzburg zusammengekommen.

Nur Spenden mit nackter Haut zu sammeln reichte Edeltraud L. aber nicht. "Ich habe nach einer neuen Aufgabe gesucht und von einem Altenheim ganz in meiner Nähe gehört", so die Würzburgerin. Sie informierte sich über das Haus - und zuckte zusammen, als sie erfuhr, wer der Träger ist: die Caritas. Jene Organisation, die in einer ersten Stellungnahme den Rauswurf rechtfertigte und befand, die Kalenderaktion passe nicht mit ihren "Zielsetzungen und Wertvorstellungen" zusammen.

Das muss der Caritas-Direktor der Diözese Würzburg wohl überlesen haben. Im Vorstellungsgespräch für die ehrenamtliche Stelle sei er freundlich und "sehr nett" gewesen, so Edeltraud L.: "Er hat gesagt, er sei richtig begeistert von dem Kalender." Der Rauswurf bei den Grünen Damen sei keineswegs eine Entscheidung des Dachverbandes gewesen, sondern nur der Dienstleiterin. Kurzum: Die Caritas würde sich freuen, wenn sich Edeltraud L. wieder ehrenamtlich für sie betätigen würde.

Schon kommende Woche will die Würzburgerin erste Besuche in dem Altenheim machen, mit den Bewohnern spazieren gehen, ihnen vorlesen oder Besorgungen machen. Dass die Caritas sie "rehabilitiert" hat, ist eine kleine Genugtuung für sie: "Das war schon schön", sagt Edeltraud L. Das Wichtigste aber sei, dass der Ärger so viel positive Energie für die Spendenaktion freigesetzt habe: "Ich würde es allein deshalb jederzeit wieder tun."



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