Nach Priesterinnen-Weihe Katholische Kirche schließt Frauen aus

Unbeeindruckt vom Widerstand der katholischen Kirche hatten sich vor rund fünf Wochen sieben Frauen zu Priesterinnen weihen lassen. Nun wurden die gläubigen Frauen von Kardinal Ratzinger exkommuniziert.


Kardinal Ratzinger: Gemeinschaft der Kirche verletzt
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Kardinal Ratzinger: Gemeinschaft der Kirche verletzt

Rom/München - Die feierliche Weihe, die der von Rom nicht anerkannte Bischof Romulo Antonio Braschi Ende Juni auf einem Donauschiff in Österreich vorgenommen hatte, war in der Kirche auf heftigen Widerstand gestoßen. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner bezeichnete die Weihe der Frauen als "ebensolchen Unsinn wie der Wunsch von Männern, Kinder gebären zu können". Die Kirche habe von Christus keine Vollmacht, Frauen zum priesterlichen Dienst zuzulassen, sagte er damals.

Kardinal Joseph Ratzinger hatte daraufhin den Frauen in einem Schreiben ein Ultimatum gesetzt. Bis zum 22. Juli sollten sie Reue zeigen und die Gläubigen "für das verursachte Ärgernis um Verzeihung bitten". Ihre Weihe sei ein "schwerer Verstoß gegen die göttliche Verfassung der Kirche", hatte er geschrieben. Frauen könnten nicht zu Priestern geweiht werden, und die Gläubigen müssten sich an diese "endgültige Entscheidung" halten.

Die Frauen sahen das jedoch ganz anders: Sie beharrten auf ihren Anspruch, das Priesteramt ausüben zu wollen. "Wir sind nicht vom Glauben abgefallen, wir haben keinen Irrglauben verbreitet, wir sind nicht abtrünnig geworden", hieß es im Antwortschreiben an das Erzbischöfliche Ordinariat in München.

Nun sprach Ratzinger am Montag als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom die Exkommunikation aus. Die Sprecherin der Priesterinnen, Gisela Forster, erklärte, sie würde diese Entscheidung nicht widerstandslos hinnehmen. Sie wollten alle kirchenrechtlichen Schritte gegen die Exkommunikation unternehmen.

Der Kardinal schloss nicht aus, dass die Exkommunikation wieder aufgehoben werden könnte. "Die Kongregation vertraut darauf, dass die Genannten, erleuchtet durch die Gnade des Heiligen Geistes, zur Einsicht gelangen und den Weg zurückfinden zur Einheit im Glauben und zur Gemeinschaft mit der Kirche, die sie durch ihr Handeln verletzt haben", erklärte er.



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