Nach Rettung aus chilenischer Mine Kumpel tritt beim New-York-Marathon an

Eigentlich sollte er nur als Gast an der Strecke stehen. Doch Edison Peña, der Leichtathlet unter den geretteten chilenischen Bergleuten, überraschte die Organisatoren des New-York-Marathon mit seinem Ehrgeiz: Er will unbedingt selbst an dem Lauf-Großereignis teilnehmen.

DPA

New York - Vor rund drei Wochen saß er noch unter Tage in knapp 700 Metern Tiefe, nun will Edison Peña, einer von 33 geretteten chilenischen Bergarbeitern, am New-York-Marathon teilnehmen. Trotz der 69 Tage im Berg fühle der Kumpel sich trainiert genug, um am kommenden Sonntag die gut 42 Kilometer zu laufen, sagte Mary Wittenberg, die Präsidentin der New York Road Runners.

Von dem 34-Jährigen heißt es, er habe sich unter Tage damit fit gehalten, jeden Tag zehn Kilometer zu laufen.

Laut Wittenberg hatten die Organisatoren Peñas Reise nach New York arrangiert, als sie von seiner Laufbegeisterung erfahren hatten. Zunächst hätte man lediglich daran gedacht, dass Peña das Rennen von einem Begleitfahrzeug verfolgt oder das Zielband hält, doch der Mann wolle unbedingt selbst mitlaufen. "Er will absolut, zu hundert Prozent teilnehmen", sagte Wittenberg. Sie könne es gar nicht erwarten, Peña zu treffen.

Die 33 Männer waren am 5. August nach dem Einsturz der Mine San José in der chilenischen Atacama-Wüste unter Tage eingeschlossen worden und hatten bis zu ihrer Rettung in rund 700 Metern Tiefe ausgeharrt. Mitte vergangenen Monats waren sie vor den Augen der Weltöffentlichkeit einer nach dem anderen mit einer Rettungskapsel zurück an die Oberfläche geholt worden.

Peña arbeitete seit 2007 in der Kupfermine und gelangte damals als Zwölfter an die Erdoberfläche. Bereits kurz nach seiner Rettung hatte der Dauerläufer unter den Bergleuten eine zehn Kilometer lange Laufetappe bei einem Triathlon absolviert. Doch die gut 42 Kilometer quer durch New York sind ein ganz anderes Kaliber, bei dem auch austrainierte Athleten regelmäßig an ihre Grenzen geraten.

In Chile werden die geretteten Bergleute wie Popstars gefeiert. Allerdings werden die psychischen Folgen ihres langen Aufenthalts unter Tage und des anschließenden Wirbels nach ihrer Rettung nicht von allen gleichermaßen gut verkraftet.

Einige Kumpel würden von Angstattacken und Schlaflosigkeit gequält, hieß es. Auch von Alkoholexzessen war die Rede.Auch von Peña hieß es, er sei in der vergangenen Woche wegen eines Zusammenbruchs vorübergehend im Krankenhaus behandelt worden.

knd/AFP/AP

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