Nachbarschaftsterror Geheimnisvolle Explosionen auf Cheneys Grundstück

Wenn es Tag wird am Observatory Circle, einem der exklusivsten Wohnviertel Washingtons, beginnt der Terror - die Villen beben, ohrenbetäubende Detonationen zerreißen die Stille. Schuld hat der Nachbar: US-Vizepräsident Dick Cheney.


Dick Cheney: Täglich eine Explosion
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Dick Cheney: Täglich eine Explosion

Washington - Die Anwohner am vornehmen Observatory Circle im Nordwesten der US-Hauptstadt sind genervt. Seit mehreren Monaten werden sie mindestens einmal pro Tag aus ihren Sesseln gehoben, bei der Gartenarbeit erschrecken sie beinahe zu Tode, während in der Edelküche die zigste Kaffeetasse auf dem Fußboden zerschellt. Grund für den Nervenkrieg ist Dick Cheney, genauer gesagt Detonationen, die sich auf dem abgeschirmten Grundstück des Vize-Präsidenten zutragen, berichtet der Nachrichtensender CNN.

Spielt der Vizepräsident etwa mit einem Chemiebaukasten? Finden auf dem Grundstück geheime Waffentests statt oder wird etwa ein neuer, atombombensicherer Bunker gebaut? Fragen, auf die die Anrainer, darunter auch das Ehepaar Clinton, keine Antwort erhalten, schreibt die "Washington Post" am Wochenende.

Second Lady Lynne Cheney: Ärger mit den Nachbarn
AP

Second Lady Lynne Cheney: Ärger mit den Nachbarn

Nach Angaben der Navy ereignen sich die Explosionen im Zuge von Baumaßnahmen. Worum es sich bei den Arbeiten handelt, wird allerdings nicht näher erläutert. Das Projekt sei geheim. Eine Sprecherin erklärte gegenüber CNN, auf dem Gelände würden "infrastrukturelle Verbesserungen" vorgenommen. Den prominenten Nachbarn sei versichert worden, dass ihre Villen durch die Erschütterungen nicht beschädigt würden. Angesichts der angespannten Sicherheitslage könne man die Arbeiten nicht auf die Zeiten zwischen 9 und 17 Uhr beschränken. Die meisten Nachbarn hätten Verständnis, auch dafür, dass der wahre Grund der Lärmbelästigung nicht preisgegeben werden könne.

Einen Grund zur Entspannung gibt es noch nicht. Nach Angaben der Navy-Sprecherin werden die Arbeiten voraussichtlich noch acht Monate andauern. Jeden Tag werde es ein bis zwei Explosionen geben, die zwischen drei und fünf Sekunden andauern sollen. Die Detonationen würden sorgfältig überwacht. Man wolle sicher sein, dass die Erschütterungen in einem annehmbaren Rahmen bleiben.

Doch annehmbar findet Joseph Rieser, der selbst in der Nähe der Cheney-Residenz lebt, die Arbeiten nicht: Jede Explosion sei "wie ein Donner, der eine Zeitlang andauere, manchmal mehrere Sekunden", sagte er gegenüber CNN. Durch den Druck würden die Fenster beben. "Wenn es gewöhnliche Bauarbeiten wären, hätten sie uns Nachbarn doch informieren müssen."



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