Nachfolger Berliner Zoo sucht Knut 2.0

Knut ist noch nicht einmal eine Woche tot, da denkt der Berliner Zoo schon an die Suche eines Nachfolgers für den berühmten Eisbären. Tierschützer werfen den Verantwortlichen vor, es gehe nicht um Artenschutz und Tierwohl - sondern um einen neuen Publikumsmagneten.

AFP

Berlin - Nach dem plötzlichen Tod von Knut will der Berliner Zoo ein neues Eisbärmännchen suchen. Er wolle warten, "bis alles vorbei ist" und dann die Altersstruktur der Eisbären in den europäischen Zoos sichten, sagte Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz der "Berliner Morgenpost. Denkbar sei auch, dass Eisbär Troll aus dem Tierpark in den Zoo umziehe. "Das wäre eine Möglichkeit, um die Weibchen decken zu lassen. Aber so weit sind wir noch nicht", fügte der Zoodirektor hinzu.

Tierschützer kritisieren Gehegehaltung von Eisbären scharf. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, Wolfgang Apel, warf Blaszkiewitz Ignoranz und "eine Zucht des eigenen Renommees" vor. Wenn er die Eisbärzucht fortsetzen wolle, gehe es ihm nicht um Artenschutz und Tierwohl. "Die Eisbärhaltung und -zucht muss ein Ende haben, jetzt und sofort."

Apel warf dem Zoo wegen der Ankündigung, einen neuen Eisbären zu suchen, vor, den Tierschutz "zu ignorieren". Blaszkiewitz habe kein Interesse daran, die Hintergründe des tragischen Tods von Knut zu erklären, da er diesen schon vergessen habe. Der Zoo treibe die "inzestuöse Eisbärenzucht in Gefangenschaft weiter, um Tiere als Publikumsmagnet zeigen zu können", sagte Apel.

Blaszkiewitz wies Vorwürfe zurück, Knut sei an einer inzuchtbedingten Erbkrankheit gestorben. Knuts Vater Lars lebe in Wuppertal und es gehe ihm gut, sagte er. Lars habe zwar Krankheiten gehabt, sei aber inzwischen "völlig geheilt". Der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbunds, Thomas Schröder, hatte darauf verwiesen, dass bei Lars ähnliche Krankheitssymptome wie bei Knut beobachtet worden seien. Schröder leitete daraus die Frage ab, ob die Zuchtpraktiken in deutschen Zoos Krankheiten forcierten.

Knut soll im Naturkundemuseum ausgestellt werden

Blaszkiewitz verteidigte die Zoohaltung von Eisbären. Zoologische Gärten seien keine "Imitate der Natur, sondern Surrogate, also Ersatz", sagte er. Die Tiere hätten genügend Beschäftigung, da sie hinter Felsen verschwinden, in der "riesigen Wasserfläche" schwimmen könnten und die Scheibe zum Publikum hätten. Zudem bekräftigte der Zoodirektor Pläne, nach denen Knut im Berliner Naturkundemuseum ausgestellt werden soll. "Das Fell ist schon da", sagte er. Zuerst müsse jedoch die Sektion des Eisbären abgeschlossen werden.

Knuts genaue Todesursache wollen der Zoologische Garten und das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung am kommenden Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekanntgeben. Dabei sollen die Daten sämtlicher Untersuchungen des Tierkadavers, auch Erkenntnisse aus mikroskopisch analysierten Schnitten des schwererkrankten Bärengehirns sowie Bilder aus der Computer-Tomografie erläutert werden.

Eine erste Untersuchung des toten Tieres hatte bereits ergeben, dass Knut eine schwere Gehirnerkrankung hatte. Die genaue Todesursache war damit aber noch nicht geklärt worden. Konkrete Ergebnisse erhoffen sich die Experten von Schnitten aus Gehirngewebe, das nach speziellen Verfahren analysiert wird.

Knut war am 5. Dezember 2006 als erstes Eisbärenbaby seit 33 Jahren in Berlin geboren worden. Er starb urplötzlich am vergangenen Samstag vor den Augen der Zoobesucher.

ulz/dapd/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Hubert Rudnick, 25.03.2011
1. Nachfolger für Knut
Zitat von sysopKnut ist noch nicht einmal eine Woche tot, da denkt der Berliner Zoo schon an die Suche eines Nachfolgers für den berühmten Eisbären. Tierschützer werfen den Verantwortlichen vor, es*gehe nicht um Artenschutz und Tierwohl - sondern um einen neuen Publikumsmagneten. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753267,00.html
Wie wäre es denn, wenn der Berliner Zoo mal einen dieser BILD Journalisten ausstellen würde, und zwar denjenigen, der erst noch vor paar Tagen so viel Unsinn über die Verantwortlichkeit von dem Zoodirektor geschrieben hatte. Wir müssen uns nicht immer die Wildtiere anschauen, wir Menschen sind doch imgrunde viel wilder und unbändiger als alle Tiere zusammen, wir sind doch diejenigen, die in der Welt Angst und Schrecken verbreiten, also stellen wir immer einige von uns aus und mit den BILD Reporter machen wir den Anfang. HR
Gungosh 25.03.2011
2. Zwiespältig
Zitat von Hubert RudnickWie wäre es denn, wenn der Berliner Zoo mal einen dieser BILD Journalisten ausstellen würde, und zwar denjenigen, der erst noch vor paar Tagen so viel Unsinn über die Verantwortlichkeit von dem Zoodirektor geschrieben hatte. Wir müssen uns nicht immer die Wildtiere anschauen, wir Menschen sind doch imgrunde viel wilder und unbändiger als alle Tiere zusammen, wir sind doch diejenigen, die in der Welt Angst und Schrecken verbreiten, also stellen wir immer einige von uns aus und mit den BILD Reporter machen wir den Anfang. HR
Ich hoffe eher, dass wesentlich mehr verantwortungsvolle Entscheider in Vorständen und Managements von Zoos ankommen. Zoos leisten heutzutage schon sehr viel für den Artenerhalt. Unabhängig davon tut es mir zwar leid für alle (besonders die kleinen) Knut-Fans, aber so ein Medienhype und der daraus resultierende Massenandrang kann bei einem Tier im Zoo nicht angehen, erst recht nicht bei Einzelgängern wie Eisbären. Ich kann mir gut vorstellen, dass Tierschützer richtig liegen mit ihren Anschuldigungen hinsichtlich Stress und Inzest.
margret810 25.03.2011
3. Skandalös !!
Ich fordere die Verantwortlichen der Stadt Berlin dazu auf, mit sofortiger Wirkung Herrn Blaskiewitz aus seinem Amt als Zoodirektor zu entlassen sowie all die Pfleger/innen, die in den letzten Jahren als Mitwisser tätig waren ! Es ist nicht nachzuvollziehen, dass ein Mensch in dieser Position noch ist, nachdem im Dezember veröffentlicht wurde, dass er illigalen Tierhandel mit Zootieren getätigt hat.Dieser mann ist eine Schande für die Stadt Berlin !!! Nicht ganz von der Hand zu weisen sind Vorwürfe ,die im Internet gegen Herrn Blaskiewitz erhoben werden, dass der Tod von Knut nicht ganz " von alleine " passiert hätte sein können.Knut war eindeutig nicht DER Eisbärmann, den der Zoodirektor sich gewünscht hat. Knut war gut genug, 4 Jahre lang vermarktet zu werden....3 Mill. Zusatzverdienst seither tut doch gut......aber Herr B. hat ja auch zugegeben, dass ihm der Rummel um Knut auch manchmal auf die Nerven ging.......vielleicht ging ihm auch Knut auf die Nerven. Aber an einen anderen Zoo geben ? Neeiinnnn....denn dann hätte der andere Zoo ja die Mehreinnahmen.Der plötzliche Tod von Knut vor den Augen der noch anwesenden Zoobesucher ( UND zu einer Zeit, wo die Weibchen komischerweise schon nicht mehr anwesend waren...) hat einen solchen neuen Run auf den Zoo bewirkt, dass auch hier wieder Geld gemacht wurde. Schnell wurde das Fell weitergegeben und Knut soll jetzt in einem Museum weiter für den rollenden Rubel sorgen. So hat kein anderer Zoo die Möglichkeit bekommen, auch etwas mehr Geld zu verdienen und Knut wäre wirklich zu berühmt, so dass man ihn wohl nicht irgendwelchen Tierhändlern weitergeben hätte können....so klammheimlich.... Ich denke, hier müssen dringend Aufklärungsarbeiten geleistet werden und Herr Blaskiewitz muss sofort aus seinem Amt genommen werden. Seine Freude über einen bevorstehenden neuen Eisbärmann , wenn "alles vorbei ist " und die Tatsache, dass er nicht auf die Forderung der Gedenkbuchnutzer eingeht zeigt ganz deutlich, dass etwas hier nicht richtig abläuft. Wir lassen uns aber nicht für dumm verkaufen Herr Blatzkiewitz
gt66 25.03.2011
4. Troll ist Knuts Bruder
Anstelle jetzt zumindest einer möglichen Erbkrankheit nachzugehen - Vater Lars war ja auch erkrankt und seine Symptome waren ähnlich - will er nun Knuts Bruder Troll "rüber holen" und mit den vorhandenen Weibchen verpaaren. Vielmehr sollte doch zunächst einmal klar ausgeschlossen werden, dass eine Erbkrankheit vorliegt, denn sonst trägt Troll sie womöglich noch weiter. Generell: Eisbären leben in freier Wildbahn in Gebieten die halb so groß sind wie Italien und sie sind Einzelgänger - das nur mal so nebenbei... Hört endlich auf mit der Großwildzucht in Zoos und kümmert euch um den Erhalt der Natur, damit die Tiere dort artgerecht leben können. Gloria
butter_milch 25.03.2011
5. ...
Den Zoos geht es um Artenschutz und Tierwohl? Dass ich nicht lache!
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