Nacktfotos von Sabrina Setlur Bilderstreit geht vor Gericht

Eine gütliche Einigung über die ohne Einverständnis abgedruckten Nacktbilder von Sabrina Setlur in der Illustrierten "Max“ ist gescheitert. Jetzt will die Rapperin die Verantwortlichen auf Schadensersatz verklagen.

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Empört über die Veröffentlichung der Bilder: Sabrina Setlur
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Empört über die Veröffentlichung der Bilder: Sabrina Setlur

Hamburg/Frankfurt - "Wir haben alles für eine gütliche Einigung getan, aber die Gegenseite war nicht zu bewegen", sagte der Setlur-Anwalt Udo Kornmeyer am Freitag. Damit bleibe, so der Frankfurter Jurist, für Sabrina Setlur nur noch der Gang vor den Kadi, um auf Schadensersatz zu klagen. "Eine Summe von einer Million Mark ist für uns absolut realistisch", so der Anwalt.

Grund für die Auseinandersetzung ist die Ausgabe der Illustrierten "Max" vom 22. Februar. Auf dem Titel und im Innenteil hatten die Blattmacher eine Serie von Nacktfotos von Sabrina Setlur abgedruckt. "So hat Boris Sabrina noch nie gesehen" titelte "Max" in Anspielung auf die mittlerweile brüchige Liaison zwischen der Rapperin und dem frisch geschiedenen Ex-Tennisstar.

Die abgedruckten Fotos waren bereits vor zwei Jahren, im Sommer 1999, auf der Mittelmeerinsel Ibiza aufgenommen worden – im Auftrag der damaligen Chefredaktion von "Max". Fast eine Woche hatte der Fotograf Gerd Simon mit Setlur auf der Insel verbracht und hatte sie freizügig nur mit blauer Farbe am Körper abgelichtet.

"Angst vor der eigenen Courage"

Doch die Produktion des Fotografen Simon erschien nie, da Sabrina Setlur die Bilder nicht gefielen und sie ihr Einverständnis für einen Abdruck nicht gab. "Sie hatte wohl ein bisschen Angst vor ihrer eigenen Courage", glaubt Simon.

Unbestreitbar ist, dass sich Setlur 1999 auf einen - in der Branche durchaus üblichen - Passus in ihrem Vertrag berufen konnte. Dieser räumte ihr das Recht ein, eine Veröffentlichung nach Ansicht der Bilder zu verhindern. Im Gegenzug musste sie auf das vereinbarte Honorar verzichten.

Heute sagt Setlur, sie habe die Fotos als "unangenehm und unästhetisch" empfunden und sie deshalb zurückgezogen. Ihr Manager Thomas Hofmann zahlte daraufhin nach eigenen Angaben 30.000 Mark als Aufwandsentschädigung an die Zeitschrift. "Damit war die Sache für uns erledigt", erinnert sich Hofmann.

Wie kamen sie Fotos ins Heft?

Wie die Fotos nun dennoch in das jetzt erschienene "Max"-Heft kamen, darüber gibt es zwei unterschiedliche Versionen. Die "Max"-Chefredaktion hält an der Darstellung fest, sie habe von den Verträgen der früheren Redaktion keine Kenntnis gehabt. Der Fotograf habe die Bilder angeboten und nichts von der alten Produktion gesagt. Das erscheint zunächst plausibel, da bei "Max" seit mehreren Wochen ein komplett neues Team die Leitung übernommen hat.

Der Fotograf David Simon widerspricht den "Max"-Chefs jedoch heftig. "Ich hatte die Fotos gar nicht mehr, die Negative lagen ja bei denen", sagte er SPIEGEL ONLINE. Er habe lediglich beim Mitherausgeber Wolfgang Behnken angerufen und darauf hingewiesen, dass diese Fotos existieren. "Dabei habe ich deutlich erwähnt, dass es bereits alte Verträge gab", beteuert Simon.

"Nacht- und Nebelaktion"

Auch bei einem kurzen Treffen mit dem Chefredakteur Christian Krug am Abend des 16. Februars, vier Tage vor Redaktionsschluss der neuen Ausgabe, habe er auf die Rechte-Frage noch einmal hingewiesen. Für die Tatsache, dass "Max" weder die Künstlerin oder die Rechtsabteilung wegen der alten Vereinbarungen konsultierte, hat Simon eine Erklärung: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass noch Zeit war, Frau Setlur zu informieren. Das ganze war eine Nacht- und Nebelaktion."

Der Streit brach aus, als die "Bild"-Zeitung die Fotos bereits einen Tag vor dem Erscheinen von "Max" auf der Titelseite veröffentlichte. Zuerst hatten daraufhin die Anwälte beider Seiten noch verhandelt. Doch eine außergerichtliche Einigung scheiterte. "Für uns geht es da auch ein bisschen ums Prinzip und um andere Künstler, denen das gleiche passieren kann", erklärt der Anwalt von Sabrina Setlur. Es könne doch nicht angehen, dass eine Zeitung einfach Nacktbilder ohne Einverständnis der Betroffenen abdrucke.

Eingabe an den Presserat

"Das ist unprofessionell und gegen alle Regeln, man druckt doch keine Nacktbilder von einem Star ohne vorher die Rechte abzuklären", sagte Kornmeyer. Wer dafür verantwortlich ist – Fotograf oder die Chefredaktion - ist ihm dabei vollkommen gleich. Neben der Zivilklage vor Gericht hat der Setlur-Berater bereits eine Eingabe an den Presserat geschickt, in dem er sich über die Fotoveröffentlichung beschwert.

Doch nicht nur von außen gerät die "Max"-Chefetage unter Druck, auch intern brodelt es. In einem anonymen Brief, der mehreren Medien-Branchendiensten in den letzten Tagen zugespielt wurde, beschweren sich Mitarbeiter von "Max" über ihre neue Chefredaktion. Mit solch "unseriösen Praktiken" bei Fotos werde "der gute Ruf" der Zeitschrift zerstört. "Wenn wir solche Verträge brechen, brauchen wir bei den Stars in Zukunft gar nicht mehr anzukommen", ergänzte ein Redakteur. "Uns kann doch niemand erzählen, dass dieser Mist auf Unwissen der alten Verträge gewachsen ist."

Jetzt Verhandlungen mit dem "Playboy"

Rechtstreit, Presserat oder interne Kritik - selbst bei einer Millionenstrafe können die "Max"-Macher der Zukunft recht gelassen entgegen sehen. Die Zeitung mit den Nacktaufnahmen hat sich gut verkauft. Mittlerweile soll Gerüchten zufolge auch der "Playboy" mit der Frankfurter Rapperin über - diesmal vertraglich korrekte Nacktaufnahmen – verhandeln. Denn egal, wo die Bilder mit Busen und Kurven herkommen oder wie sie entstehen, Sabrina Setlur nackt bleibt heiße Ware.



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