Orkanböen Sturmtief »Nadia« richtet schwere Schäden in Norddeutschland an

Orkanartige Winde, eine Sturmflut. Züge fallen aus, Bäume stürzten um, ein Fußgänger starb. Das ist die Bilanz von Tief »Nadia« in Norddeutschland. Der Wetterdienst warnt vor weiteren Sturmböen.
Die Feuerwehr räumt eine Straße in Menslage, Niedersachsen

Die Feuerwehr räumt eine Straße in Menslage, Niedersachsen

Foto: Ulf Zurlutter / dpa

Die Unwetterwarnung galt bis Sonntag, zehn Uhr, aber das Sturmtief »Nadia« wirbelt weiter in Deutschland. Der Zugverkehr ist eingeschränkt, in Hafenstädten drohen weitere Sturmfluten. Wegen umgestürzter Bäume und Überflutungen mussten Feuerwehren und Polizei Hunderte Male ausrücken.

In Berlin kam es zu Sturmböen von bis zu 104 Kilometer pro Stunde, am Sonntagmorgen rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus. Auf mehreren S-Bahn-Strecken kam es zu Unfällen, bei denen wohl niemand verletzt wurde.

Im Brandenburgischen Beelitz wurde am späten Samstagabend ein Fußgänger getötet. Er wurde von einem umstürzenden Wahlplakat schwer verletzt und ist wenig später gestorben, so ein Sprecher des Polizeilichen Lagedienstes. Ob der Sturm das Plakat zum Umstürzen brachte, ist noch Gegenstand der Ermittlung.

Umstürzende Bäume sind vielerorts eine Gefahr

In Bremen wurde ein Fußgänger von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. Der Deutsche Wetterdienst warnte am Sonntagmorgen weiter vor Unwetter in Teilen des Landes.

Der Unfall in Bremen habe sich im Bürgerpark ereignet, teilte die Feuerwehr mit. Die Feuerwehr sei am Sonntagmorgen außerdem noch im Einsatz in einem Wohngebiet: Dort sei eine Birke in großer Höhe abgebrochen und drohe auf mehrere Häuser zu stürzen. Insgesamt verzeichnete die Feuerwehr in Bremen seit Samstagnachmittag 38 unwetterbedingte Einsätze.

Zweite Sturmflut in Hamburg

In Hamburg wird eine zweite Sturmflut erwartet. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie warnte vor Hochwasserständen von 2,5 bis 3 Metern über dem mittleren Hochwasserstand. Bis etwa 14.37 Uhr bestehe die Sturmflutgefahr. Die Polizei warnt vor Aufenthalten in den tiefer gelegenen Gebieten, etwa dem Fischmarkt oder dem Hafen. Auch könnten dort geparkte Autos beschädigt werden.

Schon in der Nacht standen zeitweise Teile des Stadtteils St. Pauli unter Wasser, als die Elbe über ihr Ufer trat. Der Wasserstand lag 2,84 Meter über dem mittleren Hochwasser. Mehrere parkende Autos wurden beschädigt. In der Hansestadt allein kam es zu rund 300 Polizeieinsätzen, die Feuerwehr rückte rund 450-mal aus. Gegen Mitternacht sei der Feuerwehr ein Auto gemeldet worden, das in der HafenCity mit Insassen im Wasser treibe, hieß es weiter. Vor Ort hätten die Einsatzkräfte acht Autos im Wasser vorgefunden. Menschen hätten sich darin aber nicht befunden.

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Zirka 30 Kilometer vor der ostfriesischen Küste trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden lang im Meer, weil er Probleme beim Manövrieren hatte. In Hamburg fuhr sich ein Binnenschiff unter einer Brücke fest. Ein Instagram-User hielt die nachfolgende Rettungsaktion fest:

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An der deutschen Nordseeküste besteht weiterhin das Risiko einer schweren Sturmflut: Am Sonntag werde das Hochwasser an der ostfriesischen Küste und im Weser- und Elbegebiet 2 bis 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. An der nordfriesischen Küste können Pegelstände von 1,5 bis 2 Metern höher als das mittlere Hochwasser erreicht werden.

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Auch im Süden des Landes ist das Sturmtief spürbar. In den Hochlagen des Bayerischen Waldes und der Alpen könne es zu schweren Sturmböen kommen, so der Deutsche Wetterdienst. Insgesamt seien Sturmböen in der Nordhälfte und den höheren Lagen des Südens verbreitet. In den zentralen Mittelgebirgen herrsche gebietsweise leichter Frost mit Glätte.

Zugfahrer müssen mit Ausfällen rechnen

Im Bahnverkehr gibt es weiterhin starke Einschränkungen im Norden und Nordosten Deutschlands. Die Deutsche Bahn teilt mit, dass diese wohl noch bis in die Mittagsstunden anhalten sollen. Auf dem Abschnitt zwischen Stralsund und Ostseebad Binz fielen die ICE- und IC-Züge aus. Zwischen Bremen und Hamburg kam es zu Verspätungen, da der Streckenabschnitt nur eingleisig befahrbar war. Zwischen Rostock und Hamburg sowie Berlin sollten Fahrgäste mit kurzfristigen Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Mehr Informationen 

Auch im Regionalverkehr gibt es Ausfälle und Verspätungen. Reisende und Pendler sollten sich vor Fahrtantritt über die Website , die App oder telefonisch informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt. Wann die Züge wieder wie geplant fahren, hänge vom weiteren Verlauf des Sturms ab, sagte der Bahnsprecher.

Auch Fährverbindungen betroffen

Wegen der Unwetterwarnungen wurden auch zahlreiche Fährverbindungen am Wochenende gestrichen. An der Nordsee fielen alle Verbindungen der Hallig-Linie am Wochenende aus, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) mitteilte. Auch Verbindungen ab Föhr, Amrum und Dagebüll waren betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde der Fährverkehr auf der Ostsee zwischen Rostock und Gedser auf der dänischen Insel Falster eingeschränkt. Nach Angaben der Reederei Scandlines fielen mehrere Verbindungen von Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen aus. Der reguläre Fahrplan solle am Sonntag wieder aufgenommen werden.

Weiterhin Sturmböen und -fluten

Die höchste Windgeschwindigkeit wurde auf Hallig Hooge in Nordfriesland gemessen: 127 Kilometer pro Stunde legten die Böen hier zurück, so eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes. Der Höhepunkt des Sturms sei zwischen ein Uhr und drei Uhr am frühen Sonntagmorgen gewesen.

jlk/dpa/AFP
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