Nasskalter Frühling Land unter nach Dauerregen

Regen, Sturm, vernieselte Grillabende: Das Frust-Niveau in Sachen Wetter ist in Deutschland derzeit mindestens so hoch wie die Pegel der Flüsse in Bayern oder Sachsen-Anhalt. Vielerorts kommt es zu heftigen Überschwemmungen. Und die Aussichten sind - bescheiden.

DPA

Hamburg - Heftige Niederschläge und unangenehm niedrige Temperaturen verderben den Deutschen derzeit nachhaltig die Laune. "Solche Regenfälle sind schon extrem und selten", sagte Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. "Viele Flüsse traten über die Ufer." Der regenreichste Ort Deutschlands war Sankt Englmar in Bayern, wo von Sonntag- bis Montagmorgen 97 Liter pro Quadratmeter fielen. Normal ist ein Wert von 73 Litern für den gesamten Monat Mai.

In Sachsen-Anhalt wurde für Aller, Unstrut und Saale bereits Alarm ausgegeben, wie der Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Magdeburg mitteilte. Am heftigsten regnete es in diesem Bundesland in Schierke am Harz: Dort fielen laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) binnen 48 Stunden 66,8 Liter pro Quadratmeter.

Und ähnlich sieht es in weiten Teilen der Republik aus. Unwetter haben vielerorts zu Überschwemmungen geführt, so in Niedersachsen, Hessen, Thüringen und Sachsen.

In Nordhessen fuhr ein Regionalzug bei Morschen gegen einen umgestürzten Baum. Der Lokführer kam mit Kopfverletzungen in ein Krankenhaus, wie die Bundespolizei Kassel mitteilte. Die etwa hundert Reisenden in der Bahn blieben unverletzt. Im nahe gelegenen Melsungen überfluteten die Wassermassen die Innenstadt. Die nahe Abfahrt von der Autobahn 7 wurde kurzzeitig gesperrt. "Das Wasser lief dort wie ein Fluss", so die Polizei.

Auch in Thüringen stiegen die Wasserstände. An den Pegeln der Gera in Erfurt und der Ulster in Unterbreizbach-Räsa galt die Alarmstufe zwei von insgesamt drei Warnstufen, wie ein Sprecher der Landesanstalt für Umwelt und Geologie mitteilte. Auch im nördlichen Bayern stieg nach tagelangem Dauerregen die Hochwassergefahr.

In vielen niedersächsischen Städten wurden Straßen überflutet, etwa in Celle, Göttingen oder Northeim. Allein im Landkreis Osterode waren 400 Helfer im Einsatz, wie die Polizei mitteilte. Menschen kamen nicht zu Schaden. In Hildesheim trat die Innerste über die Ufer, so dass Häuser mit Tausenden von Sandsäcken gesichert werden mussten. In Bad Grund im Südharz bedrohten Wassermassen ein Altenheim. Die Bahnstrecke zwischen Bad Grund-Gittelde und Herzberg am Harz wurde gesperrt, weil Wasser das Gleisbett unterspült hatte.

Nach dem kühlen Schmuddelwetter der vergangenen Tage erwartet der Wetterdienst für Dienstag einen kurzen Lichtblick. In den folgenden Tagen kommen aber wieder Schauer und Gewitter auf. Im Laufe der Woche drohen weitere Überschwemmungen.

Wer nun glaubt, sich mit einem Kurztrip in den Süden vor Dauerregen retten zu können, irrt. Selbst auf Mallorca sucht man derzeit vergebens Sonne. Hier herrschte Nieselwetter bei Temperaturen unter 20 Grad. In den anderen Urlaubsorten entlang der spanischen Mittelmeerküste war es zwar überwiegend trocken, aber bei Höchsttemperaturen von knapp über 20 Grad deutlich kühler als sonst in dieser Jahreszeit.

Auch in Italien waren die Temperaturen niedriger als für diese Jahreszeit üblich. Vor allem im Norden war es kalt und regnerisch, in einigen Orten gab es in den vergangenen Tagen Erdrutsche und Überschwemmungen. Auch in Urlaubsregionen wie der Toskana sowie auf Sardinien sollte es regnen und in den Alpen erneut schneien.

ala/dpa



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