Natascha Kampusch Millionensummen für Bücher und Filme

Natascha Kampusch ist zur bekanntesten Österreicherin geworden. Aus aller Welt gibt es für die acht Jahre lang entführte junge Frau nun Angebote für Buch- und Filmprojekte, die ihr Millionenbeträge bringen könnten.


Hamburg - Nachdem Natascha Kampusch ihrem Peiniger entkommen ist und sich per Interview im Fernsehen und Zeitungen über ihre Gefangenschaft äußerte, gibt es einen kaum zu bremsenden Andrang: Dietmar Ecker, der die Medienarbeit für Natascha übernimmt, berichtet in der britischen Tageszeitung "Times" von "einem Heuschreckenschwarm", der seinen Geldbeutel füllen wolle. So hätten Filmemacher, Finanzberater und Verlagsagenten bereits unzählige Offerten gemacht. Als Natascha erwähnt habe, dass sie mit ihrer Familie eine Kreuzfahrt machen wolle, kam prompt per Fax ein Alles-Inklusive-Angebot eines deutschen Luxus-Kreuzfahrt-Anbieters.

Kampusch: "Wie die Heuschrecken"
AFP/ TF1

Kampusch: "Wie die Heuschrecken"

Natascha ist zur bekanntesten Österreicherin avanciert. Rund um den Globus ist die Leidensgeschichte der 18-Jährigen inzwischen bekannt. So gibt es bereits Gerüchte, dass sie im kommenden Monat zur "Frau des Jahres" in New York gekürt wird. Insgesamt, so heißt es, könnten sich die Einnahmen aus den Verkäufen der Bücher und Filme auf 1,5 Millionen Euro summieren.

Österreichischen Zeitungen zufolge hat allein RTL für die Übertragungsrechte mehrere hunderttausend Euro hingeblättert. Auch das Magazin "News" und die "Kronen Zeitungen" sollen tief in die Tasche gegriffen haben. Laut der österreichischen Zeitung "Der Standard" hat die "Kronen-Zeitung" der 18-Jährigen zudem eine Anstellung auf Lebenszeit angeboten. Insgesamt lagen ihr nach Angaben ihres Medienberaters über 300 Anfragen für ein Exklusivinterview vor.

Inzwischen hat Natascha eine eigene Stiftung gegründet, mit dem Ziel, anderen Opfern zu helfen. Im Internet tauchten bereits mehrere gefälschte Spendenaufrufe auf, die vermeintlich im Namen von Kampusch an die Hilfsbereitschaft der Bürger appellieren. Das österreichische Bundeskriminalamt hat sich eingeschaltet.

Zudem gibt es weitere Informationen zur Gefangenschaft von Natascha. So hatte die "Kronen Zeitung" gestern von einem vergeblichen Fluchtversuch des Entführungsopfers berichtet. "Einmal bin ich schon beim Gartentor hinausgerannt", sagte Natascha. "Das war wie bei diesen Leuten, die das Haus nicht verlassen können, obwohl es offen ist. Mir ist schwindlig geworden, ich habe nichts mehr sehen können, und ich bin so unauffällig wie möglich wieder zurückgegangen. Damit er nichts merkt".

Kampusch war am 2. März 1998 von Wolfgang P. in Strasshof bei Wien entführt worden, ihr gelang am 23. August dieses Jahres die Flucht. Noch am selben Tag warf der Entführer sich vor einen Zug. Er wurde am Freitag auf einem geheim gehaltenen Friedhof südlich von Wien anonym beerdigt.

str/tim/dpa



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