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30. April 2009, 13:56 Uhr

Nationalfeiertag in den Niederlanden

Autofahrer rast in Menschenmenge - Tote und Verletzte

Schwerer Zwischenfall beim Königinnentag in den Niederlanden: Ein Pkw ist während einer Parade durch eine Absperrung gerast, rammte Zuschauer - mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt. Die königliche Familie wurde in Sicherheit gebracht.

Apeldoorn - Voller Spannung hatten zahlreiche Menschen in der Stadt Apeldoorn auf den Konvoi mit Königin Beatrix gewartet, um gemeinsam mit der königlichen Familie den Nationalfeiertag zu begehen. Doch dann brach völlig unerwartet ein schwarzer Pkw des Typs Suzuki Swift durch eine Absperrung, raste in die Menschenmenge und kam erst an einem Denkmal zum Stehen.

Vier Menschen wurden getötet, fünf seien schwer und acht leicht verletzt worden, teilte der Bürgermeister von Apeldoorn, Freed de Graaf, bei einer Pressekonferenz offiziell mit.

Rettungssanitäter versuchten, einige am Boden liegende Personen wiederzubeleben. Das Geschehen am Rande der Feierlichkeiten zum Königinnentag wurde von den Live-Kameras des Fernsehens übertragen.

Die Polizei startete einen Großeinsatz, Experten suchten das Wrack des Unfallwagens mit Hilfe von Spürhunden ab. Der Fahrer des Unfallwagens überlebte schwer verletzt und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei versuchte, ihn zu befragen. Für den Nachmittag kündigten die Behörden eine Pressekonferenz an.

Die niederländische Königin Beatrix sagte umgehend ein feierliches Defilee zu Ehren der 2004 verstorbenen Königin Juliana ab. Die königliche Familie habe den Unfall mit Entsetzen beobachtet, teilte der Bürgermeister von Apeldoorn mit. Sie wurde in Sicherheit gebracht. Die Königin sei äußerst erschüttert, hieß es.

Beatrix und ihre Familie, darunter auch Kronprinz Willem-Alexander und seine Frau Máxima, befanden sich während des Crashs unweit des Unfallortes in einem offenen Festbus. Ob es sich bei dem Vorfall um einen versuchten Anschlag auf die Königsfamilie handelt, ist bisher nicht bekannt.

In der Metropole Amsterdam nahmen die Menschen bislang nur am Rande Notiz von den Ereignissen in Apeldoorn, das rund 100 Kilometer entfernt liegt. Die meisten sind auf den Straßen, um ausgelassen den Königinnentag zu feiern.

"Ich habe von der Sache in Apeldoorn gehört, als ich zur Arbeit kam", sagt der Student Jesse Le Cras, 21, der an diesem Tag in einer Bar jobbt. "Es ist schrecklich. Ich glaube, dass es ein Anschlag war."

Ein anderer will nicht glauben, dass die Feierlichkeiten nun abgebrochen werden. "Das wäre doch unvernünftig", sagt Pieter Heijke, 31, der wie Tausende andere Niederländer von auswärts angereist ist, um in Amsterdam zu feiern. "Ich kann das alles noch nicht glauben."

Sarah Gehrke, Amsterdam, ala/pad/AP/dpa

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