Naturkatastrophe in Peru Erdbeben verwüstet Hafenstadt Pisco

Ein heftiges Erdbeben hat die peruanische Stadt Pisco zu mehr als zwei Dritteln zerstört. In der Stadt spielen sich dramatische Szenen ab: Tote liegen auf den Straßen, die Krankenhäuser sind überfüllt. Auch andere Regionen wurden schwer getroffen.


Lima - Beim verheerendsten Erdbeben in Peru seit über 25 Jahren sind Hunderte von Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden in Lima bezifferten die Zahl der Toten in einer vorläufigen Bilanz auf 337. Jüngsten Angaben der UNO zufolge wurden mindestens 450 Menschen getötet und 1500 weitere verletzt. Das Beben hatte nach Angaben des Geologischen Instituts der USA (USGS) eine Stärke von 7,9. Es gab Dutzende von Nachbeben, darunter drei sehr starke.

Das Epizentrum der Erschütterungen, die auch in Ecuador, Kolumbien, Brasilien und Bolivien zu spüren waren, lag in 41 Kilometern Tiefe unter dem Meer vor der peruanischen Küste, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Lima entfernt. Die Verantwortlichen äußerten die Befürchtung, dass die Zahl der Opfer noch weit höher sein könnte. Zu einigen Gegenden sei noch kein Kontakt hergestellt worden.

"Es ist einfach unbeschreiblich. 70 Prozent unserer Stadt wurden verwüstet", sagte Juan Mendoza, Bürgermeister der Küstenstadt Pisco. Er bat die peruanische Regierung um sofortige medizinische Hilfeleistungen. "Wir haben kein Wasser, die Kommunikationsnetze funktionieren nicht, die Häuser sind eingestürzt, die Kirchen zerstört", sagte er. In Pisco leben 130.000 Menschen. "Wir haben so viel gearbeitet für unsere Stadt, und nun ist alles vernichtet", sagte das Stadtoberhaupt unter Tränen dem Radiosender RPP.

Auch aus der Provinz Ica, die ebenfalls in dem am stärksten von dem Beben betroffenen Süden des Landes liegt, kamen Schreckensmeldungen: "Wir brauchen Medikamente, Zelte und jede erdenkliche Hilfe", sagte Bürgermeister Mariano Nacimiento. Er schätzte die Zahl der Todesopfer in seiner Region auf mindestens 70. Weitere 800 wurden seinen Angaben zufolge verletzt. "Wir sind mitten in den Aufräumarbeiten und besuchen die Gebiete, in denen es Opfer gab. Die Hilfe der Regierung ist daher unglaublich wichtig", sagte Nacimiento.

Die Regierung bezeichnete die Lage in Ica und Pisco als "dramatisch". In der Acht-Millionen-Metropole Lima löste das Beben Panik in der Bevölkerung aus. Zahllose Bewohner stürzten auf die Straßen, Fensterscheiben gingen zu Bruch, Telefonverbindungen brachen zusammen.

Die Behörden gaben Tsunami-Alarm und ordneten die Evakuierung eines am Meer gelegenen Stadtteils an. Die Warnung wurde jedoch wenig später zurückgenommen. Das Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik in Hawaii hatte nach dem Beben ebenfalls eine Tsunami-Warnung für die südamerikanischen Länder Peru, Kolumbien, Ecuador und Chile sowie für Mittelamerika und Mexiko herausgegeben. Außer in Peru wurde laut Medien auch in Kolumbien eine Evakuierung angeordnet, bevor die Entwarnung kam.

Perus Staatspräsident Alan García rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. García habe noch in der Nacht eine Krisensitzung des Kabinetts einberufen, um Maßnahmen zu erörtern, berichteten die Medien des Landes. Alle Polizisten in Peru seien im Einsatz. Krankenhäuser seien angewiesen worden, alle Patienten ohne Einschränkungen aufzunehmen. Außerdem sei der Schulunterricht für heute abgesagt worden.

Peru wird relativ häufig von Erdbeben heimgesucht. Am 31. Mai 1970 waren bei einem Beben, das ebenfalls eine Stärke von 7,9 hatte, bis zu 70.000 Menschen ums Leben gekommen. Dammbrüche, Überschwemmungen und Erdrutsche führten damals dazu, dass dieses Beben zu einem der schlimmsten in ganz Amerika wurde. Vor sechs Jahren wurde vor der peruanischen Küste ein Beben der Stärke von 8,4 registriert. Es hatte trotz seiner Stärke weniger gravierende Auswirkungen. Die Zahl der Toten lag bei etwa hundert.

ffr/AFP/dpa



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