Naturkatastrophe Mehr als 20.000 Tote bei Erdbeben im Iran

Kinder rennen weinend durch die Straßen der Stadt Bam, Helfer suchen verzweifelt nach Überlebenden unter den Trümmern. Im Südosten Irans hat ein verheerendes Erdbeben Tausende Menschenleben gefordert. Die Regierung in Teheran rechnet inzwischen mit mehr als 20.000 Todesopfern.

Bam - Bam ist ein beliebtes Reiseziel von Touristen an der antiken Seidenstraße rund 1250 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Teheran. Das Beben ereignete sich am Morgen um 5.30 Uhr Ortszeit (3 Uhr MEZ) und überraschte viele Menschen im Schlaf. Wie das staatliche Fernsehen berichtete, erreichte es eine Stärke von 6,3 auf der Richter-Skala und zerstörte rund zwei Drittel der Gebäude in Bam. Auch zwei Krankenhäuser brachen zusammen. Örtliche Behörden hatten zunächst von mindestens 2000 Toten gesprochen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin gab es vorerst keine Informationen über deutsche Opfer.

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Erdbeben: Das Beben überraschte die Menschen im Schlaf

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Die Regierung des erdbebengefährdeten Landes startete eine große Rettungsaktion. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA wurden Rettungsmannschaften der Hilfsorganisation Roter Halbmond in den betroffenen Teil der Provinz Kerman entsandt. Die Bundesregierung drückte dem Iran ihr Mitgefühl aus und bot Hilfe an.

Augenzeugenberichten zufolge waren zahlreiche Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Durch die Straßen irrten weinende Kinder und obdachlos gewordene Einwohner, die sich zum Schutz vor der Kälte in Decken hüllten. Die Stadt war voll mit Krankenwagen und verzweifelten Menschen, die in den Trümmern nach ihren Angehörigen suchten und letzte Habseligkeiten retten wollten. In Decken gehüllte Körper wurden auf Wagen geladen. "Ich habe meine ganze Familie verloren", sagte die 17-jährige Marjam. "Meine Eltern, meine Großmutter und zwei Schwestern sind unter den Trümmern." Eine alte Frau stammelte nur: "Mein Kind, mein Kind."

Unter den Schutthaufen wurden noch zahlreiche Opfer vermutet. Staatliche Medien riefen zu Blutspenden auf. Die verbliebenen funktionstüchtigen Krankenhäuser waren voll. Verletzte wurden daher in benachbarte Städte gebracht. "Es gibt eine Menge Tote und Verletzte in Bam, und es wird alles unternommen, um sie herauszukriegen", sagte der Provinzgouverneur von Kerman, Mohammad Ali Karimi. Zerstört worden sei größtenteils auch die die 2000 Jahre alte Zitadelle von Bam, einer der bekanntesten Touristenmagnete Irans.

Erdstöße erschüttern auch Ölstadt Masdscheid Solejman

Auch in der Ölstadt Masdsched Solejman in der südwestlichenProvinz Chusestan kam es zu einem Erdbeben. Dieses erreichte aber lediglich eine Stärke von 4,0 auf der Richter-Skala. IRNA zufolge gab es keine Berichte über Schäden. Iran durchziehen mehrere Erdbeben-Störungszonen. Im Juni vergangenen Jahres waren bei einem Beben der Stärke 6,3 auf der Richter-Skala im Norden des Landes mindestens 229 Menschen getötet und mehr als tausend verletzt worden. Etwa 35.000 Menschen kamen 1990 im Nordwesten des Iran ums Leben, als mehrere Erdstöße einer Stärke von bis zu 7,7 das Land erschütterten.

Der Erdbeben-Experte Bahram Akascheh von der Universität Teheran hatte im Oktober die mangelnde Vorbereitung seiner Landsleute auf Erdbeben kritisiert. "Die meisten Leute denken, wenn Gott es will, wird es geschehen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Deutschland hilft

Bundesaußenminister Joschka Fischer drückte in einem Beileidstelegramm an seinen iranischen Amtskollegen Kamal Charrasi sein Mitgefühl aus. "Deutschland ist bereit, alles in seinen Kräften Stehende zu tun, um zur Bergung und Rettung von Menschen im Erdbebengebiet beizutragen", hieß es in dem Schreiben.

Tatsächlich soll noch am Freitagabend ein Flugzeug mit Helfern und Hilfsgütern von Frankfurt am Main aus in das Erdbeben-Gebiet starten. Die Hilfe werde aus AA-Mitteln finanziert und umfasse zunächst eine Summe von 500.000 Euro. Im AA wurde außerdem ein Krisenstab für Erdbebenhilfe im Iran eingerichtet.

Auch die Europäische Union will rund 800.000 Euro für die humanitäre Nothilfe bereitstellen. Hilfs- und Suchteams seien bereits in Richtung Iran unterwegs, weitere Gelder könnten verfügbar gemacht werden, berichtete die EU-Kommission am Freitagabend in Brüssel.

Die iranischen Behörden fragten laut Kommission bei der EU um Hilfe nach. Italien habe bei der EU-Nothilfe die Führungsrolle übernommen. Frankreich wolle ein Feldlazarett zur Verfügung stellen. Weitere Unterstützung solle in den kommenden Tagen mobilisiert werden.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sandte ein Beileidsschreiben an den Staatspräsidenten Mohammed Chatami. Er habe mit großer Trauer von dem schweren Erdbeben erfahren, schrieb Prodi.

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