Naturkatastrophen in Indonesien Hilfe für Opfer kommt nur schleppend in Gang

Nach dem schweren Erdbeben und Tsunami sind erst jetzt die ersten Hilfslieferungen auf den Mentawai-Inseln in Indonesien eingetroffen. Am Vulkan Merapi drängen Bewohner trotz der Gefahr weiterer Eruptionen zurück in ihre zerstörten Häuser.


Jakarta - Auf den Mentawai-Inseln westlich von Sumatra sind erst am Mittwoch, fast zwei Tage nach dem schweren Erdbeben und dem von ihm ausgelösten Tsunami, die ersten größeren Hilfslieferungen eingetroffen. Schwere See behinderte das Fortkommen der Boote, die im besten Fall zehn Stunden auf die abgelegene Inselkette brauchen. Dort fehle jedoch Benzin, um die Hilfsgüter an die inzwischen weit versprengten Überlebenden zu verteilen, sagten Helfer am Donnerstag. Hunderte Verletzte warten zudem dringend auf ärztliche Hilfe

Viele Bewohner hatten keine Chance, als das Erdbeben mit einer Stärke von mindestens 7,2 am Montagabend losbrach. Minuten später hörten sie ohrenbetäubendes Brausen und sahen die Tsunami-Killerwellen anrollen. Nach offiziellen Angaben ist die Zahl der Todesopfer inzwischen auf 311 gestiegen, nach 379 Vermissten werde noch gesucht, teilten Rettungskräfte am Donnerstag mit.

Mehr als 48 Stunden nach der Katastrophe gebe es aber kaum mehr Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Vielmehr würden an der Küste immer wieder Leichen entdeckt.

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Katastrophen in Indonesien: Beben, Flutwelle, Asche

Wer überlebte, brachte sich auf den wenigen Anhöhen der Insel Pagai in Sicherheit, berichteten Dorfbewohner dem Vizepräsidenten Boediono, der die Inseln am Mittwoch mit dem Helikopter erreichte. Tausende Menschen kampierten nach dem Tsunami unter freiem Himmel und trauten sich nicht in die Dörfer zurück. "Wir müssen uns für solche Katastrophen wappnen", sagte Boediono den Einwohnern von Montei Baru-Baru nach Medienberichten. In dem Dorf kamen nach Angaben seines Büros 67 der 301 Bewohner um, 64 wurden noch vermisst.

"Wir haben nichts mehr", sagte Dorfvorsteher Jersanius Sanaloisa dem Vizepräsidenten. Er hatte sich an einen Baum geklammert und mit seinem Kind überlebt. Seine Frau kam ums Leben. In manchen Siedlungen waren die Killerwellen 600 Meter weit in Land hereingebrochen und hatten fast alle Häuser fortgerissen.

Am Vulkan Merapi auf der Insel Java hingegen versuchten Sicherheitskräfte auch am Donnerstag, Dorfbewohner von der Rückkehr in ihre teils zerstörten Dörfer abzuhalten. Die Gefahr eines weiteren Ausbruchs war zu groß. Experten ermitteln nach wie vor erhebliche Spannungen im Inneren des Berges.

Betroffen von dem Ausbruch war vor allem das Dorf Kinahrejo, nur wenige Kilometer unter dem Kraterrand. Hier war auch Mbah Maridjan, der spirituelle Hüter des Berges, in den Trümmern seines Hauses ums Leben gekommen. "Es war katastrophal, unglaublich heiß", zitierte die Zeitung "Jakarta Globe" eine Helferin, die das Dorf Stunden nach der Eruption erreichte. "Ich habe Blasen an den Füßen bekommen, obwohl ich Schuhe mit dicken Sohlen anhatte."

Die meisten Häuser waren schwer beschädigt und sind von einer dicken Aschedecke bedeckt. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben, die meisten durch schwere Verbrennungen. Der Vulkan hatte am Dienstagabend eine glühend heiße Fontäne aus Asche und Geröll in die Luft geschleudert.

kng/dpa/AFP



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