Naturkatastrophen Neues Beben erschüttert Indonesien

Indonesien ist ein weiteres Mal von heftigen Erdstößen heimgesucht worden, diesmal im Osten des Inselreichs. Noch immer sind auf Sumatra Tausende Menschen verschüttet. Die Chance, sie lebend zu bergen, ist gleich null. Auch auf den Philippinen gab es Tote und Verletzte - hier wütete Taifun "Parma".

AP

Jakarta - In Westpapua, der östlichen Provinz des Inselreichs Indonesien, bebte am Sonntagmorgen die Erde. Der örtliche seismologische Dienst sprach von Stößen der Stärke 6,1 auf der Richterskala. Ersten Erkenntnissen zufolge wurde niemand verletzt, auch größere Schäden soll es nicht gegeben haben. Das Beben ereignete sich rund 120 Kilometer nordwestlich von Manokwari etwa 56 Kilometer unter dem Meeresboden.

Erst am Mittwochabend hatte ein Erdbeben der Stärke 7,6 die Insel Sumatra heimgesucht. Das Gesundheitsministerium geht inzwischen von mindestens 1200 Toten aus. Bis zu 4000 Verschüttete werden noch unter den Trümmern vermutet. Die Hoffnung, sie lebend zu bergen, ist gering.

Vizepräsident Jusuf Kalla sagte am Sonntag, es gehe jetzt nur noch darum, die Beisetzungen zu organisieren. In abgelegenen Dörfern des Katastrophengebietes kamen nach Angaben der Behörden mindestens 644 Menschen ums Leben.

In der Nähe der Kleinstadt Pariaman im Westen Sumatras hat das Beben vom Mittwoch die vielleicht größte Tragödie verursacht. Als gegen 17 Uhr die Erde erzitterte, löste sich in den Bergen 20 Kilometer östlich von der Küstenstadt eine gewaltige Schlammlawine und begrub die drei Dörfer Kapalo Koto, Lubuk Lawas und Cumanak unter sich.

Die Siedlungen seien 30 Meter in die Tiefe gerutscht, sagte der Leiter des Krisenzentrums im Gesundheitsministerium, Rustam Pakaya. "Selbst das mehr als 20 Meter hohe Minarett der Moschee ist verschwunden." Im Dorf Jumanak wurden nach Angaben von Überlebenden 200 bis 300 Gäste einer Hochzeitsfeier in einem Restaurant lebendig begraben.

Nach ersten Unicef-Schätzungen sind von den schweren Beben auf Sumatra mindestens 560.000 Menschen direkt betroffen, darunter 180.000 Kinder und Jugendliche. "Wir müssen diesen Kindern Sicherheit und Normalität geben", sagte Angela Kearny, Leiterin von Unicef Indonesien. Viele Kinder hätten große Angst und fürchteten, nie wieder in die Schule gehen zu können: "Sie denken, dass ihr ganzes früheres Leben für immer vorbei ist." Unicef hat die Koordination der internationalen Hilfe in den Bereichen Wasser, Hygiene, Ernährung für Kinder, Notschulen und Kinderschutz übernommen. Bisher seien Hilfsgüter für rund 250.000 Menschen im Katastrophengebiet eingetroffen.

Taifun "Parma" verwüstet Philippinen

Auf den Philippinen sind derweil bei dem zweiten Taifun innerhalb von acht Tagen mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Mit großer Wucht zog der Wirbelsturm "Parma" am Samstagabend über den nordöstlichen Teil des Landes.

Nahe der Stadt Ana prallte er mit Spitzengeschwindigkeiten von 175 bis 210 Kilometern pro Stunde auf das Festland. Der Taifun entwurzelte Bäume, riss Dächer von Häusern und setzte Strom- und Telefonleitungen unter Wasser. Schwere Regenfälle verwandelten Flüsse binnen Minuten in reißende Ströme.

Sieben Menschen starben, als ein Erdrutsch ihr Haus am Rande einer Schlucht in der Stadt Itogon fortriss, teilten die örtlichen Behörden mit. Unter den Opfern waren zwei Kinder. Ein Mann starb beim Sturz von einem Hausdach, ein weiterer an Unterkühlung. Ein zweijähriger Junge und zwei Männer ertranken, fünf weitere verloren bei einem Erdrutsch ihr Leben.

An der Mündung des Cagayan-Flusses standen 14 Dörfer komplett unter Wasser. "Es ist, als ob wir auf dem offenen Meer wären", sagte der Bürgermeister der Stadt Aparri, Ismael Tumaru, bei einer Inspektion im Katastrophengebiet. "Dies war einmal ein Reisfeld mit Straßen und Strommasten. Jetzt ist überall nur noch Wasser."

Trotz der Toten blieb das Ausmaß der Schäden unter den Befürchtungen der Behörden. "Die Schäden sind minimal angesichts der Stärke des Sturms", sagte Ernesto Torres, Sprecher der nationalen Koordinierungsstelle in Katastrophenfällen. Die Behörden hatten 32 Provinzen in Alarmbereitschaft versetzt und viele Regionen ganz geräumt. Diejenigen, die sich weigerten zu gehen, wurden gewarnt, im Falle von Überschwemmungen nicht mit rascher Hilfe rechnen zu können.

Der Taifun verschonte die Region um die Hauptstadt Manila. Dort hatte vor einer Woche der Tropensturm "Ketsana" gewütet, der mit verheerenden Regenfällen mehr als 80 Prozent der Stadt überflutete. Wahrscheinlich starben dabei 300 Menschen. Weitere drei Millionen Einwohner leiden unter den Folgen der schlimmsten Überschwemmungen seit vier Jahrzehnten.

ala/dpa/AP

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